Die Spur der Magellanschen Wolke

Rainer Kayser

Helle Wolke im Weltall inmitten von Sternen

Zdeněk Bardon/ESO

Unsere Milchstraße besitzt zwei kleinere Begleiter, die Große und die Kleine Magellansche Wolke. Die beiden Zwerggalaxien sind am Südhimmel mit bloßen Augen zu erkennen und bestehen aus mehreren Milliarden Sternen. Schon lange war aus theoretischen Modellrechnungen bekannt, dass insbesondere die Große Magellansche Wolke die Verteilung der Sterne und der Dunklen Materie im galaktischen Halo – dem kugelförmigen Raum um die Milchstraße – beeinflussen müsste. Erstmals gelang es nun Astronomen, diesen Einfluss durch Beobachtungen nachzuweisen. Denn die Große Magellansche Wolke, so berichten die Forscher im Fachblatt „Nature“, zieht eine Spur von Riesensternen hinter sich her.

Charlie Conroy vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics und seine Kollegen verwendeten Aufnahmen der Raumsonde Gaia sowie Messungen infraroter Strahlung des US-Weltraumteleskops WISE, dem Wide-Field Infrared Survey Explorer, für ihre Analyse. Anhand der Daten identifizierten die Forscher 1301 Riesensterne im galaktischen Halo der Milchstraße. Diese Sterne befinden sich zwar weit außerhalb der Milchstraße, aber noch innerhalb des Halos. Sie sind damit besonders geeignete Kandidaten, an denen sich der Einfluss der Großen Magellanschen Wolke untersuchen lässt.

Die Analyse der Wissenschaftler zeigte nun, dass sich Riesensterne hinter der Großen Magellanschen Wolke häufen. „Die Lage dieser Spur der Großen Magellanschen Wolke ist in guter Übereinstimmung mit Computersimulationen“, schreiben die Wissenschaftler. Zu ihrer Überraschung zeigte sich der Einfluss auf die Verteilung der Riesensterne sogar noch stärker als erwartet.

Conroy und seine Kollegen sehen darin ein Indiz dafür, dass die Zwerggalaxie erst vor wenigen hundert Millionen Jahren zur Milchstraße gestoßen ist und ihren ersten Umlauf um unsere Galaxie macht. Wie die Simulationen weiter zeigen, beeinflusst die Große Magellansche Wolke nicht nur, wie die Riesensterne verteilt sind, sondern auch wie schnell sie sich bewegen. „Unsere Auswahl von Sternen ist ideal, um jetzt auch diesen Effekt zu untersuchen“, betonen die Wissenschaftler und wollen nun auch die Form und Stärke der Spur untersuchen, welche die Magellansche Wolke hinter sich herzieht. Daraus, so die Hoffnung des Teams, könne man dann Rückschlüsse auf die Dunkle Materie ziehen, die den Hauptanteil des galaktischen Halos ausmacht.

Quelle: https://www.weltderphysik.de/gebiet/universum/news/2021/die-spur-der-magellanschen-wolke/