Erbgut in nahezu Schwerelosigkeit

Ein Test im Labor zeigt, wie robust sich Zellen und unsere DNA bei Mikrogravitation erweisen.

Jan Oliver Löfken

Eingefärbte kreis- und ellipsenförmige Gebilde, umgeben von eingefärbten netzartigen Strukturen

Nikitas Kanellakopoulos and Alexandra Zidovska, Department of Physics, New York University

Menschliche Zellkerne mit den enthaltenen Erbgutsträngen werden ohne Schwerkraft etwas größer – bleiben ansonsten aber ausgesprochen robust. Um das herauszufinden, konstruierten Forschende eine spezielle Zentrifuge, mit der sich Zellkernproben um zwei Drehachsen schnell rotieren lassen. So simulierten sie annähernd die Bedingungen in Schwerelosigkeit. Da sich die durchschnittlich wirkende Schwerkraft aber nur auf rund ein Tausendstel reduziert, sprechen Fachleute eher von Mikrogravitation.

Keine Veränderung der DNA

Während der rasanten Drehungen auf sich immer ändernden Bahnen untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Struktur der Zellkerne mit einer hochauflösenden Kamera. Die rund zwei Meter langen DNA-Stränge, die kompakt in den Zellkernen aufgewickelt sind, hatten sie zuvor mit fluoreszierenden Proteinen markiert. Mit einem Fluoreszenzmikroskop beobachteten sie dann, inwieweit sich die DNA verändert. Doch lediglich die Zellkerne selbst vergrößerten sich um rund zwanzig Prozent. Sowohl die Zellkernhülle als auch die räumliche Anordnung und Struktur der DNA selbst blieben hingegen unverändert.

Bei kurzen Expeditionen müssen Astronautinnen und Astronauten also kaum mit Erbgutschäden in der Schwerelosigkeit rechnen. Mögliche Folgen auf längeren Weltraumaufenthalten über Wochen oder Monate lassen sich mit den neuen Ergebnissen allerdings nicht sicher ausschließen.

Quelle: https://www.weltderphysik.de/gebiet/leben/nachrichten/2026/raumfahrt-erbgut-in-nahezu-schwerelosigkeit/