Plattenverschiebung im Eiltempo

Zwischen Australien und der Antarktis spreizt sich der Meeresboden – mit erstaunlicher Geschwindigkeit.

Jan Oliver Löfken

Grafische Darstellung des Meeresbodens: Durch eine graue Erdoberfläche unter Wasser verläuft ein Riss. Darunter zeigt rötliche Färbung das Magma an, dass sich unter dem Riss befindet.

ESA/AOES Medialab

Im Frühjahr 2024 detektierten Sensoren, wie sich der Meeresboden zwischen Australien und der Antarktis binnen weniger Tage um zwei bis drei Meter weitete. Zwar ziehen sich durch alle Weltmeere Brüche zwischen den Erdplatten, an denen stetig neuer Meeresboden entsteht. Doch eine solche Spreizung, wie nun am Südost-Indischen Rücken beobachtet, dauert sonst etwa 40 Jahre. Langfristig schieben sich so an den mittelozeanischen Rücken die Kontinente über Jahrmillionen auseinander – auf diese Weise entstand auch der Atlantik.

Zu Beginn des nun gemessenen Ereignisses erschütterten zahlreiche Beben den Meeresboden entlang der Bruchzone in 2000 bis 3000 Metern Tiefe. Danach sackte der Boden in der mittleren Talzone des Südost-Indischen Rückens um mehr als vier Meter ab, weil sich eine darunterliegende Magmakammer schnell entleerte. Das flüssige Gestein – geschätzt 148 bis 160 Millionen Kubikmeter – trat an den Talrändern durch Risse aus und bildete neuen Meeresboden. So vergrößerte es den Abstand zwischen Australien und der Antarktis. Tiefenmessungen per Echolot zeigten, dass diese Lavafelder bis zu 90 Meter dick waren. Unklar ist allerdings noch, wie oft solche schnellen Prozesse entlang aller ozeanischen Bruchzonen auftreten.

Quelle: https://www.weltderphysik.de/gebiet/erde/nachrichten/2026/meeresboden-plattenverschiebung-im-eiltempo/