El Niño früher erkennen
abriendomundo/iStock
Das Klimaphänomen El Niño könnte in Zukunft einige Monate früher vorhergesagt werden als bisher möglich. Zu diesem Ergebnis kam nun eine Gruppe australischer Klimaforschende, indem sie die Vorhersagen von Klimamodellen mit den tatsächlich eingetretenen El-Niño-Ereignissen aus den Jahren zwischen 1961 und 2020 verglichen. Ihr Ergebnis: In vielen Fällen lässt sich bereits ein Jahr vor Beginn eines El-Niño-Ereignisses warnen.
Dass sich in diesem Jahr ein ausgesprochen starkes El-Niño-Ereignis entwickelt, ist mittlerweile klar. Erste Anzeichen für ungewöhnlich warmes Oberflächenwasser im östlichen Pazifik zeigten sich bereits im Februar, also rund neun Monate vor dem erwarteten El-Niño-Höhepunkt um Weihnachten. Zuverlässige Prognosen für einen ungewöhnlich starken El Niño lagen allerdings erst im Frühsommer vor.
In einigen Fällen lässt sich das Klimaphänomen jedoch schon früher vorhersagen, wie die neue Studie nun zeigt. Dafür betrachteten die Forschenden drei Ausprägungen der sich global auf das Wetter auswirkenden El Niño-Southern Oscillation – kurz ENSO: El Niño mit ungewöhnlich warmem Oberflächenwasser im östlichen Pazifik, La Niña mit deutlich niedrigeren Wassertemperaturen und neutrale Jahre ohne Auffälligkeiten. Es zeigte sich, dass die Zuverlässigkeit der Prognosen vom Status der ENSO im vorherigen Jahr abhängt: Nach einem neutralen Jahr lässt sich ein El-Niño-Ereignis bereits recht zuverlässig vorhersagen. Das Gleiche gilt für ein La-Niña-Ereignis nach einem El Niño. Mit mehr als siebzig Prozent Wahrscheinlichkeit lässt sich zudem vorhersagen, ob nach La Niña ein El Niño oder ein neutrales Jahr folgen wird.
Eine langfristige Vorhersage von bis zu einem Jahr erleichtert es, sich mit geeigneten Maßnahmen gegen die Folgen eines El Niño zu wappnen. Denn diese können drastisch sein, wie sich dieses Jahr bereits zeigt: Während starke und lange Regenfälle in Peru und Chile zu ersten Überschwemmungen führten und die sonst extrem trockene Atacama-Wüste erblüht, herrscht in Indonesien dagegen seit Wochen eine ungewöhnliche Trockenheit. In Indien zeigte sich der Monsun dieses Jahr deutlich abgeschwächt. Im westlichen Atlantik und im Golf von Mexiko dagegen verhinderte El Niño bisher den Aufbau von Wirbelstürmen – ein Phänomen, das in den vergangenen hundert Jahren noch nie beobachtet wurde.
In den folgenden Wochen muss mit weiteren, teils sehr drastischen Folgen rund um den Globus gerechnet werden. Die Auswirkungen von El Niño auf das Wetter in Europa sind allerdings nur schwer zu bestimmen. Dennoch könnte der Frühwinter dieses Jahr wegen der ungewöhnlichen Stärke des El Niño sehr nass und mild ausfallen. Dagegen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Spätwinter ungewöhnlich starken Frost bringt.
Quelle: https://www.weltderphysik.de/gebiet/erde/nachrichten/2026/klima-el-nino-frueher-erkennen/


