El Niño
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Alle zwei bis sieben Jahre regnet es in Ländern entlang der Pazifikküste von Mittel- und Südamerika deutlich stärker als in anderen Jahren. Zeitgleich kann es in weiten Teilen Australiens, Indonesiens, Indiens, Brasiliens, Südafrikas und der USA zu großer Trockenheit kommen. Dahinter steckt El Niño. Das natürliche Wetterphänomen wirkt sich auch auf das globale Klima aus: Die weltweite Durchschnittstemperatur steigt während eines El-Niño-Jahres um ein bis zwei Zehntelgrad an.
Was über die Wetteranomalie bekannt ist
Nach jahrzehntelanger Forschung ist der Ablauf eines El Niños heute gut verstanden. Ohne dieses Phänomen wehen auf dem Pazifik nördlich und südlich des Äquators stetige Passatwinde permanent gen Westen und treiben warme Wassermassen mit sich. Schwächeln diese Passatwinde, drückt warmes Wasser nach Osten in Richtung der südamerikanischen Küste. Dort wirkt es wie eine Blockade für kältere Wassermassen, die nicht mehr – wie sonst üblich – aufsteigen können. Parallel nehmen Verdunstung und Wolkenbildung zu. Die Folge: Entlang der Gebirgskette der Anden im Westen Südamerikas kommt es zu stärkeren Niederschlägen.
Tatsächlich ist El Niño Teil einer globalen Kette von Wetteranomalien. Er gehört zum sogenannten ENSO-Zyklus, wobei ENSO für „El Niño – Southern Oscillation“ steht. Nach einigen El-Niño-Monaten folgt erst einmal eine neutrale Phase, in der es weder bei den Wassertemperaturen noch beim Wetter zu größeren Unregelmäßigkeiten kommt. Oft, aber nicht zwangsläufig, schließt sich danach eine Kältephase verbunden mit stärkeren Passatwinden an. Vor Südamerika führt dieses als La Niña – spanisch für „das Mädchen“ – bezeichnete Phänomen zu mehr Auftrieb kalten Tiefenwassers. Dazu kommen erhöhte Luftdruckunterschiede zwischen Südamerika und Indonesien sowie verschobene Regenzonen im Pazifikraum.
Die Folgen von La Niña sind regional sehr unterschiedlich. In Australien, Indonesien und Teilen Südostasiens bringt die Wetteranomalie oft mehr Regen, Überschwemmungen und Erdrutsche. An der Westküste Südamerikas ist es dagegen eher trockener und auch im Süden von Nordamerika kommt es teils zu Dürren. Im tropischen Ostpazifik bleibt das Wasser kälter, wovon Fischbestände profitieren können; im Atlantik kann La Niña eine erhöhte Hurrikanaktivität begünstigen.
Zusammenhang mit menschengemachtem Klimawandel
Das Wechselspiel aus einem warmen El Niño und einer kalten La Niña wirkt sich sogar bis in die Polregionen aus. Je stärker der winterliche El Niño, desto weniger Meereis im darauffolgenden Herbst. Denn ENSO verschiebt ein stabiles Hochdruckgebiet über dem westlichen Nordpazifik nach Norden, wodurch warme, feuchte Luft in die Region der Laptewsee und der Ostsibirischen See nördlich von Sibirien transportiert wird. Dort erwärmt sich dann die Luft und lässt das Meereis schmelzen.
Aktuell suchen Klimaforscherinnen und Klimaforscher nach Zusammenhängen zwischen natürlichen ENSO-Phasen und der von Menschen verursachten Erderwärmung. Der Vergleich zwischen historischen Daten aus Klimaarchiven wie etwa Sedimenten oder Korallenbänken und jüngeren Messungen mit Satelliten lieferte erste Hinweise. So traten seit den 1990er-Jahren signifikant mehr El Niños im Zentralpazifik auf. Zudem nahmen El Niños im Ostpazifik an Intensität zu. In dieses Bild passen auch die starken El Niños während der Jahreswechsel von 1997 zu 1998 und 2015 zu 2016. Eine direkte Wechselwirkung zwischen ENSO-Phasen und Klimawandel ließ sich bisher aber noch nicht nachweisen – und ist weiterhin Gegenstand der Forschung.
El Niño – das Christkind
Nicht nur Klimaforschende, auch Historikerinnen und Historiker sammeln Wissen zu El Niño. So geht die Bezeichnung, übersetzt „das Christkind“, auf Fischer in Peru und Ecuador zurück. In unregelmäßigen Abständen klagten sie zur Weihnachtszeit – zum Höhepunkt eines El Niños – über schrumpfende Fischfänge, verursacht durch wärmeres und nährstoffärmeres Wasser. Diese Berichte reichen Jahrhunderte zurück. So ist es wahrscheinlich, dass El Niños schon zu Zeiten der Maya auftraten.
Große Fortschritte gab es bei der Vorhersage von El-Niño-Ereignissen. Zum einen dank flächendeckender und detaillierter Messungen von Wetterdaten, etwa durch Bojen und Wetterstationen – und vor allem seit den 1980er-Jahren durch Satelliten, die Windmuster und Wolken immer genauer erfassen. Zum anderen aber dank immer leistungsfähigerer Computersimulationen, mit denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die komplexen Kopplungen zwischen Ozean und Atmosphäre modellieren. Inzwischen lässt sich das Wetterphänomen über Wochen und Monate im Voraus vorhersagen.
So warnte die World Meteorological Organization im Frühjahr 2026, dass im Lauf der Folgemonate wieder mit einem El Niño zu rechnen sei. Der Abstand zum letzten El Niño während des Jahreswechsels von 2023 zu 2024 wäre relativ kurz, aber nicht ungewöhnlich. Katastrophenmeldungen über einen „Super-El-Niño“ – einer globalen Unwettermaschine mit gigantischer Energie – finden jedoch keine wissenschaftliche Grundlage. Allerdings liegt auf der Basis aktueller Klimamodelle die Wahrscheinlichkeit bei rund 50 Prozent, dass im Pazifik mit einem starken El Niño mit zwei Grad über dem langjährigen Durchschnitt liegenden Wassertemperaturen zu rechnen sei.
Quelle: https://www.weltderphysik.de/gebiet/erde/atmosphaere/el-nino/


