Artemis II

Nach mehr als 50 Jahren machen sich erstmals wieder Menschen auf den Weg zum Mond: Frühestens am 9. Februar soll die zehntägige Mission beginnen.

Rainer Kayser und Redaktion

Vier Personen in blauen NASA-Fluganzügen stehen lächelnd in einer Halle. Hinter ihnen dominiert eine schwarze, kegelförmige Raumkapsel mit vielen Kacheln, Fenstern und gelben Kabeln; rundherum technische Gestelle und ein heller Boden.

NASA

Auch wenn der genaue Zeitpunkt noch nicht feststeht – es wird ein historischer Moment sein, wenn mit der Mission Artemis II der erste bemannte Mondflug seit 1972 startet. Eine vierköpfige Besatzung soll an Bord des Raumschiffs Orion den Erdtrabanten umrunden und damit den Grundstein für weitere Flüge legen. Im November 2022 absolvierte das neu entwickelte System aus Trägerrakete und Raumkapsel im Rahmen von Artemis I bereits erfolgreich einen unbemannten Testflug um den Mond.

Missionsverlauf

Etwa zwei Stunden nach dem Start vom Kennedy Space Center am Cape Canaveral in Florida, der nach derzeitigen Planungen frühestens am 9. Februar um 5:20 Uhr unserer Zeit stattfinden wird, zündet die Oberstufe der neuen Schwerlastrakete SLS und schießt das bemannte Raumschiff aus der Erdumlaufbahn in Richtung Mond. Vier Tage später wird es dann den Erdtrabanten erreichen. Orion schwenkt allerdings nicht in eine Mondumlaufbahn ein, sondern nutzt die Schwerkraft des Mondes, um in eine Rückflugbahn zur Erde zu gelangen. Nach einer Missionsdauer von insgesamt zehn Tagen erfolgt der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und schließlich der „Splashdown“ im Pazifik.

Infografik zu Artemis II: Links die Erde, rechts der Mond, dahinter dunkler Weltraum. Grüne und blaue Pfeilbahnen umrunden die Erde, führen zum Mond und wieder zurück zur Erde.

Flugbahn von Artemis II

Verglichen mit den früheren Apollo-Missionen mag das neue Unterfangen zunächst einmal wenig spektakulär wirken. Im Dezember 1968 flogen mit Apollo 8 erstmals Menschen zum Mond und damals schwenkte das Raumschiff sogar in eine Mondumlaufbahn ein. Auch die nun eingesetzte Trägerrakete schneidet im direkten Vergleich schlecht ab: Mit etwa 27 Tonnen ist ihre Nutzlast für den Mondflug nur halb so groß wie jene der Saturn V, die damals Apollo 8 zum Mond beförderte.

Die Orion-Kapsel ist allerdings deutlich geräumiger als das Apollo-Raumschiff und bietet mit einem bewohnbaren Volumen von knapp neun Kubikmetern jetzt Platz für vier Personen. Die drei Apollo-Astronauten mussten sich mit 6,2 Kubikmetern begnügen. Zusätzlich sind etwa zehn Kubikmeter Stauraum für Ausrüstung und Versorgung vorhanden – damit könnten Orion-Kapseln künftig auch erheblich längere Flüge unternehmen.

Und natürlich sind sowohl die SLS-Rakete als auch das Raumschiff Orion mit modernster Elektronik ausgestattet. So ist die Rechenleistung der Bordcomputer 200 000-mal größer als jene der Apollo-Kapseln, der Arbeitsspeicher beträgt 256 Megabyte statt 4 Kilobyte und der Festspeicher 2 Gigabyte statt 72 Kilobyte. Dieses Upgrade sorgt für eine höhere Sicherheit und Flexibilität bei der Mission.

Missionsziele

Beim Apollo-Projekt ging es vor allem darum, als erste Nation zum Mond zu gelangen und so technologische Überlegenheit zu demonstrieren. Mit hohem Risiko landeten im Juli 1969 erstmals Menschen auf dem Mond. Da eine langfristige Strategie fehlte, wurde das Projekt bereits 1972 beendet – und das soll dieses Mal nicht passieren. Schritt für Schritt soll eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem Erdtrabanten entwickelt werden.

Ziel von Artemis II ist zunächst, die neu entwickelten Systeme unter realistischen Weltraumbedingungen zu validieren, ebenso wie das Zusammenspiel von Crew, Bordsystemen und Bodenstation. Die vierköpfige Besatzung – bestehend aus Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen – soll außerdem die Strahlungsabschirmung, Lebenserhaltungssysteme, Navigation, Kommunikation sowie Notfallprozeduren im tiefen Weltall überprüfen.

Kooperation und Konkurrenz

Anders als beim Apollo-Programm setzt die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA für Artemis verstärkt auf internationale Zusammenarbeit. Airbus in Bremen baut beispielsweise das Service-Modul des Raumschiffs Orion und HALO, das erste Wohnmodul für die lunare Raumstation, wird von Thales Alenia Space in Italien entwickelt und gebaut. Aber es gibt auch Konkurrenz: So will China ebenfalls noch vor 2030 eine bemannte Mondlandung durchführen und plant mittelfristig den Aufbau einer lunaren Infrastruktur.

Die erste bemannte Mondlandung ist mit der Mission Artemis III für 2027 oder 2028 vorgesehen. Parallel sollen die ersten, teilweise bereits fertiggestellten Module der Raumstation „Lunar Gateway“ in eine Mondumlaufbahn transportiert werden. Mit der Mission Artemis IV besucht, wenn alles nach Plan geht, Ende 2028 die erste Crew die Station. Für die 2030er-Jahre hat sich die NASA die Einrichtung einer dauerhaften menschlichen Präsenz – also einer Station – auf der Mondoberfläche als Ziel gesetzt. Hierfür gibt es bislang aber nur Konzeptstudien und keine konkreten Pläne.

Neben der Erforschung des Erdtrabanten soll das Artemis-Projekt mittelfristig als Zwischenstufe für bemannte Missionen zum Mars dienen. So lassen sich auf dem Mond – noch in Reichweite der Erde und deshalb mit geringerem Risiko – die Technologien testen, die für einen dauerhaften Aufenthalt auf einer fremden, lebensfeindlichen Welt nötig sind. Außerdem könnte aus Eis, das am lunaren Südpol vorhanden ist, Wasserstoff gewonnen werden – und damit Treibstoff für Raketen.

Langfristig wäre auch der Abbau von Rohstoffen auf dem Mond denkbar. Im Zentrum steht dabei die Gewinnung von Helium-3. Dieses Isotop gilt als idealer Brennstoff für zukünftige Kernfusionsreaktoren, da bei seiner Fusion kaum radioaktive Strahlung entsteht. Wann sich diese Visionen umsetzen lassen – und ob überhaupt –, steht freilich in den Sternen. Auch unter Expertinnen und Experten gehen die Meinungen weit auseinander: Manche rechnen bereits im nächsten Jahrzehnt mit Bergbau auf dem Mond, manche nicht vor Ende des Jahrhunderts.


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Quelle: https://www.weltderphysik.de/gebiet/universum/raumfahrt/artemis-ii/