Wie der Chicxulub-Krater kollabierte

Vor 66 Millionen Jahren schlug auf der Halbinsel Yucatán in Mexiko ein Asteroid ein und löschte gut Dreiviertel des Lebens auf der Erde aus. Beim Einschlag entstand der Chicxulub-Krater mit einem enormen Durchmesser von etwa 200 Kilometern. Ein internationales Forscherteam ging nun der Entstehungsdynamik der charakteristischen Ringstruktur des Kraters durch eine Bohrexpedition im Frühjahr auf den Grund. Wie sie in der Fachzeitschrift „Science“ berichten, wurden beim Einschlag innerhalb weniger Minuten riesige Gesteinsmassen bis zu 30 Kilometer weit bewegt. Aus der Analyse der Bohrkerne entwarfen sie zudem ein Modell, wie sich neues irdisches Leben nach dem gewaltsamen Ende der Saurierära weiter entwickelt haben könnte.

Mit drei Säulen im Boden verankerte Bohrplattform vor der Halbinsel Yucatán
Bohrplattform vor Yucatán

„Es ist kaum zu glauben, dass die gleichen Kräfte, denen die Saurier zum Opfer fielen, eine Rolle für das spätere Leben auf der Erde spielen könnten“, sagt Geophysikerin Joanna Morgan vom Imperial College London. Diese Annahme gründet auf der Analyse von Bohrkernen, die das internationale ECORD-Konsortium auch unter Beteiligung von Forschern aus Hamburg und Bremerhaven aus Gesteinsschichten 500 bis 1300 Meter unter dem Meeresboden gezogen haben. Denn die Bohrkerne zeigten sich überraschend porös und könnten in ihren Poren Platz für einfache Organismen und Nährstoffe geboten haben.

Die Struktur und Zusammensetzung der Bohrkerne erlaubte es den Forschern auch in Kombination mit geologischen Modellen, die Dynamik des Einschlags zu rekonstruieren. Der etwa zehn Kilometer durchmessende Asteroid setzte beim Auftreffen eine geschätzte Energie von mehr als vierhundert Zettajoule frei. Das entspricht der Energie von mehr als einer Milliarde Atombomben. Unmittelbar nach dem Einschlag wurden Gesteinsmassen bis in mindestens zehn Kilometer Tiefe erst nach unten und dann nach außen gepresst. Danach bewegten sie sich wieder in die Einschlagszone hinein und wölbten sich nach oben. Diese Aufhäufung kollabierte kurz darauf und hinterließ etwa zehn Minuten nach dem Einschlag am Rand des Kraters die steinige Ringstruktur – Peak-Ring genannt.

Abgeschlossen sind die Untersuchungen noch nicht. So spüren die Forscher in ihren Proben noch weiteren Hinweisen nach, um eine mögliche Entwicklung von Leben in den porösen Gesteinsstrukturen entlang des Kraterrings belegen zu können. Auch Tsunamiwellen, die sich nach dem Einschlag über das Meer bewegten, könnten dabei eine wichtige Rolle gespielt haben. Insgesamt liefert diese Bohrexpedition die bisher wertvollsten Daten zur Entstehung von Asteroidenkratern auf der Erde. Nach ihrem Vorbild könnten nun weitere Expeditionen zu anderen Einschlagkratern auf der Erde folgen.