Der Exoplanet als helle Kugel vor einem Hintergrund aus vielen kleinen, hellen Lichtpunkten.

Planet ohne Sonnensystem

Grenoble (Frankreich)/Montréal (Kanada) – Manche Planeten ziehen ihre Bahnen einsam und allein durch die Tiefen des Alls. Einen solchen Himmelskörper, der zu keinem Stern gehört, hat ein Astronomenteam nun ausfindig gemacht. Es handelt sich vermutlich um einen massereichen Gasplaneten wie Jupiter, der allerdings rund vier- bis siebenfach schwerer ist als dieser. Wie die Forscher im Fachjournal „Astronomy and Astrophysics“ berichten, sei dies der nächstgelegene freie Planet, der je gefunden wurde. 

„Wenn man Planeten beobachtet, die sich in einer Umlaufbahn um ihren Stern befinden, ist es so, als wollte man aus der Entfernung ein Glühwürmchen einen Zentimeter neben einem starken Autoscheinwerfer betrachten“, so Erstautor Philippe Delorme vom Institut für Planetologie und Astrophysik in Grenoble. Im Gegensatz dazu wird das neu entdeckte Objekt von keinem Stern in seiner Nachbarschaft überstrahlt. Zudem befindet es sich gerade einmal hundert Lichtjahre von der Erde entfernt, sodass sich seine Atmosphäre genau untersuchen ließ. „Dieses nahe, ungebundene Objekt gibt uns sozusagen die Möglichkeit, das Glühwürmchen im Detail und ohne den blendenden Autoscheinwerfer zu studieren“, fasst Delorme zusammen. Der heimatlose Planet sendet eine schwache Wärmestrahlung aus, anhand der die Forscher unter anderem seine Masse und Oberflächentemperatur – ungefähr 430 Grad Celsius – ableiten konnten.

Der Planet erscheint als schwach leuchtender Punkt vor schwarzem Hintergrund.
Planet ohne Sonne

Der ungebundene Planet könnte in einem Sternsystem entstanden und anschließend aus ihm herausgeschleudert worden sein. Denkbar wäre aber auch, dass er wie ein Stern allein aus einer Gaswolke hervorging. „Diese Objekte sind wichtig, denn sie helfen uns zu verstehen, wie Planeten aus Sternensystemen herausgeworfen werden, oder wie sehr leichte Objekte aus Gas entstehen können“, erläutert Delorme. Astronomen vermuten, dass es viele solcher einsamer Planeten geben könnte – vielleicht sogar so viele wie Sterne am Firmament. Sie sind aber sehr schwer zu finden, da sie nicht selbst leuchten. In den vergangenen Jahren wurden dennoch zahlreiche Kandidaten für solche freien Planeten gefunden.

Es ist grundsätzlich nicht einfach zu entscheiden, um was für einen Himmelskörper es sich bei solchen Aufnahmen handelt. Bei der Interpretation ihrer Daten gingen die Forscher davon aus, dass das beobachtete Objekt zu einer Gruppe sich gemeinsam bewegender Sterne in unserer kosmischen Nachbarschaft gehört. Andernfalls – was die Forscher aber als sehr unwahrscheinlich angeben – könnte es sich anhand der Daten auch um einen weiter entfernt liegenden Braunen Zwerg handeln und nicht um einen Planeten. Braune Zwerge sind zu klein geratene Sonnen, denen hinreichend Masse fehlt, um die für Sterne übliche Wasserstofffusion zu betreiben.