Kein Leben in der Venusatmosphäre

Rainer Kayser

Die Aufnahem zeigt ein kreisrundes Objekt vor einem dunklen Hintergrund.

Institute of Space and Astronautical Science

Die Oberfläche der Venus ist mit einer Temperatur von nahezu 500 Grad Celsius lebensfeindlich – doch weit oben in der Atmosphäre des Planeten sind die Temperaturen deutlich niedriger. Könnte diese Region von Mikroorganismen besiedelt sein? Ein Forschungsteam beantwortet diese Frage jetzt mit einem klaren Nein. Dort stehe, so die Wissenschaftler im Fachblatt „Nature Astronomy“, zu wenig Wasser für Leben zur Verfügung. Bessere Aussichten bietet da der Mars. Seen auf dem roten Planeten boten nicht nur sporadisch, sondern über Millionen von Jahren lebensfreundliche Bedingungen, wie ein zweites Team ebenfalls in „Nature Astronomy“ berichtet.

Erst kürzlich hatte die vermeintliche Entdeckung des Gases Phosphin in der Venusatmosphäre für Diskussionen über Leben auf dem Planeten gesorgt. „Die Untersuchungen dazu übersehen bislang jedoch die Rolle der Wasseraktivität für die Lebensfreundlichkeit einer Umgebung“, erklären John Hallsworth von der Queen’s University Belfast und seine Kollegen. Mit der Wasseraktivität beschreiben Biologen den Anteil des ungebundenen, also für Lebensprozesse verfügbaren, Wassers. Dieser Wert kann zwischen 0 und 1 liegen, Leben ist jedoch nur möglich, wenn die Wasseraktivität größer als 0,585 ist.

Hallsworth und sein Team analysierten nun die Bedingungen in der wohltemperierten Zone der Venusatmosphäre. Dabei stellte sich heraus: In dieser Region liegt der Wert der Wasseraktivität unter 0,004 – Wasser ist dort also kaum für Leben verfügbar. Dies werde durch große Mengen an Tröpfchen aus Schwefelsäure bedingt, so die Wissenschaftler. Damit sei es ausgeschlossen, dass es dort Mikroben gibt.

Anders sieht es beim Mars aus: Für dessen dünne Atmosphäre ermittelten Hallsworth und seine Kollegen eine Wasseraktivität von bis zu 0,537 – also nur knapp unter dem Limit für eine lebensfreundliche Umgebung. Da sich das Klima auf dem roten Planeten im Laufe seiner Geschichte möglicherweise erheblich verändert hat, könnte die Atmosphäre früher also durchaus lebensfreundlicher gewesen sein.

Dafür spricht auch das Ergebnis einer Studie von Elisabeth Losa-Adams von der Universität Vigo in Spanien und ihren Kollegen. Das Team analysierte Röntgenmessungen, die der Rover Curiosity an den Sedimentablagerungen im Krater Gale durchgeführt hatte. Curiosity ist seit 2012 in diesem Marskrater unterwegs, in dem es in der Frühzeit des Mars einem See gab. „Bislang wussten wir jedoch nicht, ob die Sedimente durch einen langsamen Ablagerungsprozess entstanden sind oder durch punktuelle, kurzzeitige Überflutungen“, erläutern Losa-Adams und ihre Kollegen.

Mithilfe der Röntgenmessungen konnten die Forscher die kristalline Struktur der Sedimente untersuchen und herausfinden, wie sich diese ablagerten. Ihr Befund: Die Sedimente müssen sich über einen langen Zeitraum in einem ruhigen Gewässer abgelagert haben. Der See im Gale-Krater war also kein kurzzeitiges Gewässer, sondern bot für einen längeren Zeitraum – vermutlich bis zu zehn Millionen Jahre lang – lebensfreundliche Bedingungen. Auch die Temperaturen müssen während dieser Epoche geeignet für entstehendes Leben gewesen sein, denn weder ist das Wasser zu Eis gefroren, noch ist es zu schnell verdampft. Im Gegensatz zur Venusatmosphäre könnte also in der wasserreichen Umwelt des jungen Mars durchaus Leben entstanden sein.

Quelle: https://www.weltderphysik.de/gebiet/universum/news/2021/kein-leben-in-der-venusatmosphaere/