Zerstörerische Zwergsterne

Neue Beobachtungen offenbaren einen Roten Zwerg, der einem Braunen Zwerg sein Gas entreißt, und einen Weißen Zwerg, der seinen Begleiter verdampft.

Rainer Kayser und Redaktion

Ein großer Planet ist in eine Wolke gehüllt, die sich bis zu einem weißen, hell strahlenden Punkt in entfernter Umgebung ausbreitet.

Snehalata Sahu

Sterne können kleinere Himmelsobjekte wie Planeten oder Asteroiden zerstören. Dafür gibt es bereits viele Beispiele – doch jetzt wurden zwei außergewöhnliche Fälle bekannt: ein Roter Zwergstern, der einem Braunen Zwerg das Gas entzieht, und ein Weißer Zwerg, der mit seiner Strahlung einen Planeten verdampft.

Ein großer roter und ein kleinerer brauner Himmelskörper nebeneinander im All: Vom braunen geht ein heller Strahl aus, der an einem hellen Punkt auf dem roten auftrifft.

Künstlerische Darstellung des Systems aus Rotem und Braunem Zwerg

Rote Zwergsterne sind kleiner, leichter und kühler als unsere Sonne, weshalb sie schwächere, rötliche Strahlung abgeben. Ein solcher Stern ist der etwa 600 Lichtjahre entfernte Rote Zwerg ZTF J0440+2325. Nur 230 000 Kilometer von ihm entfernt zieht alle 87 Minuten ein Brauner Zwerg seine Runden – ein Objekt, das leichter als ein Stern, aber schwerer als ein Planet ist. Durch den geringen Abstand entreißt der Rote Zwerg mit seiner Schwerkraft dem Braunen Zwerg Gas. Dieses Gas strömt auf den Roten Zwerg und leuchtet dort als heller Fleck auf, der sich mit dem Gran Telescopio Canarias auf La Palma beobachten lässt. Allmählich entzieht der Rote Zwerg seinem Begleiter das Material; bis er ihn komplett aufgenommen hat, dauert es aber noch zwischen zehn Millionen und mehreren Milliarden Jahren.

Weißer Zwerg lässt einen ganzen Planeten verdampfen

Spektakulärer noch ist die Situation bei einem Weißen Zwerg, einem erdgroßen Überrest eines sonnenähnlichen Sterns, der seinen Energievorrat verbraucht habt und langsam abkühlt: dem 270 Lichtjahre von uns entfernten Weißen Zwerg HS 0209+0832. Hier stießen Forschende auf die Spur eines Planeten, den die Strahlung des Weißen Zwergs langsam auflöst. Das Außergewöhnliche: Der Planet enthält nicht wie typische Gesteinsplaneten viel Silizium oder Eisen, sondern viel Zink, Kupfer und Niob. Das zeigen Beobachtungen mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in Chile. Diese Elemente entstehen erst spät in der Entwicklung eines Sterns.

Offenbar, so folgern die Astronominnen und Astronomen, sei der Planet also nicht gemeinsam mit dem Stern entstanden, sondern aus Gas, das der Stern spät in seiner Entwicklung ausgestoßen hat. Wenn sich diese Vermutung durch weitere Beobachtungen bestätigt, wäre der Begleiter von HS 0209+0832 das erste gesicherte Beispiel für einen solchen sogenannten „Planeten der zweiten Generation“.

Quelle: https://www.weltderphysik.de/gebiet/universum/nachrichten/2026/sterne-zerstoererische-zwergsterne/