Pause der Erderwärmung oder Messfehler?

Aktuelle globale Klimabeobachtungen, wie sie auch im aktuellen Report des Weltklimarats IPCC stehen, gehen von einer Verlangsamung oder Pause der globalen Erderwärmung aus. Sie beziehen sich dabei auf Messungen, die zeigen, dass sich die Temperatur in Bodennähe seit Beginn dieses Jahrtausends nicht mehr so schnell erwärmt hat wie in den 50 Jahren davor. Viele Klimaforscher suchen nach Gründen, warum im Widerspruch zu über hundert Klimamodellen keine stärkere Erwärmung gemessen werden konnte. So wurde unter anderem angenommen, dass die zusätzliche Wärme von den Meeren aufgenommen und so anscheinend unsichtbar gespeichert wurde. Andere Forscher versuchten, den Zufall als Grund statistisch zu belegen.

Diagramm, auf dem waagerecht die Jahre und senkrecht die Temperaturerhöhung der Erdoberfläche aufgetragen ist. Ab 1950 ist ein steiler Anstieg der Durchschnittstemperatur abgebildet.
Anstieg der globalen Erderwärmung

Alles umsonst, wenn es nach der Forschergruppe um Thomas Karl von der National Oceanic and Atmospheric Administation geht. Die Wissenschaftler aus den USA haben jetzt eine Studie im Fachblatt Science veröffentlicht, die zeigt, dass es solch eine Pause gar nicht gibt. Damit widersprechen sie den gängigen Untersuchungen. Karl und Kollegen begründen diese Abweichung damit, dass in den meisten Studien mögliche Fehlerquellen bisher nicht ausreichend berücksichtigt wurden.

Besonders schwierig sei es, stabile Langzeitdaten der Temperatur an der Meeresoberfläche zu erheben. Die Messdaten kommen meistens von Handelsschiffen oder Bojen an der Wasseroberfläche. Allerdings würden sich gerade hier die Erhebungsmethoden im Lauf der Zeit stark ändern, schreiben die Forscher. So hätten seit Ende des 20. Jahrhunderts Bojen die Schiffe als führende Datenlieferanten überholt. Das ist für die Datenauswertung wichtig, da Studien gezeigt haben, dass Messungen durch Bojen systematisch kühlere Temperaturen liefern als die von Schiffen. Außerdem sollen die Messungen durch Bojen präziser sein und die Schiffsdaten oft auf uneinheitlichen Erhebungsmethoden basieren.

Die Korrekturen der Meeresdaten sind der entscheidende Faktor, mit dem das Forscherteam die Erdoberflächentemperaturen seit 1950 neu berechnet hat. Die Autoren berücksichtigten aber auch weitere Fehlerquellen. So sei es entscheidend, wie Daten von neuen Messstationen in die Gesamtrechnung miteinbezogen werden. Gerade in früher nur mit wenigen Messstationen versorgten Regionen wie Asien, Südamerika und Afrika wurden in den letzten fünf Jahren vermehrt Daten zur Oberflächentemperatur auf dem Festland gesammelt.

Bei Berücksichtung dieser Korrekturen kommen die Forscher zum Ergebnis, dass es keine nennenswerte Verlangsamung und damit auch keine Pause der Erderwärmung in diesem Jahrtausend gegeben habe.

Zum gleichen Schluss kamen zwei Forscher aus England und Kanada schon 2014 in ihrer Veröffentlichung im Fachblatt „Quarterly Journal of the Royal Meteorological Society“. Sie berechneten die global gemittelte Oberflächentemperatur der Erde neu, indem sie fehlende Temperaturdaten für die Arktisregion durch indirekte Messmethoden ermittelten. Allerdings war das Verfahren umstritten. In der neuen Studie von Karl und Kollegen kommen mögliche Verzerrungseffekte durch fehlende Arktisdaten nur als Schätzung vor, werden aber beim Endergebnis nicht berücksichtigt. Darin sieht das Team seine Aufgabe für künftige Forschungsprojekte.