Wärmende Nachtflüge: Gerade bei Dunkelheit und im Winter schaden Kondensstreifen dem Klima

Richteten sich Flugpläne nach dem Klimaschutz, würden die Jets nur noch bei Tageslicht zwischen den Kontinenten verkehren. Denn nach einer aktuellen Studie, die britische Forscher in der Zeitschrift "Nature" veröffentlichten, bilden sich nachts deutlich häufiger Kondensstreifen, die zur globalen Erwärmung beitragen.

Reading (Großbritannien) - Obwohl nur ein Viertel aller Flüge nachts stattfinden, sind sie zu 60 bis 80 Prozent an den Klimaauswirkungen des Luftverkehrs beteiligt. "Auch wenn der Luftverkehr insgesamt nur einen kleinen Effekt auf das Klima ausübt, ist es bei den rapide zunehmenden Flugverbindungen wichtig, den Effekt der Kondensstreifen auf unser Klima zu untersuchen", sagt Projektleiter Piers Forster von der University of Leeds. Zusammen mit Kollegen der University of Reading untersuchte Forster den Flugverkehr über Südostengland, darunter viele Transatlantikflüge.

Nachts wirkt sich der kühlende Effekt durch die Abblockung der Sonnenstrahlung durch die Wolkenbildung infolge von Kondensstreifen fast gar nicht aus. Dagegen überwiege der klimaschädliche Mechanismus, bei dem Wolken die von der Erde abgegebene Wärmestrahlung nicht in den Weltraum entweichen lassen. Nachtflüge sind daher für rund Zweidrittel der Klimaerwärmung durch den Luftverkehr verantwortlich, obwohl sie nur ein Viertel der Flugbewegungen ausmachen.

Auch in den Wintermonaten sei eine Zunahme der Klimaauswirkungen durch Kondensstreifen zu beobachten. Denn in den kalten Monaten herrsche im Vergleich zum Sommer eine deutlich höhere Luftfeuchtigkeit in der Atmosphäre vor, die die Bildung von Kondensstreifen unterstütze. Und womöglich sind die Auswirkungen auf das Klima noch größer, da die Forscher nur sehr langlebige Kondensstreifen, die sich auch nach einer Stunde noch nicht aufgelöst hatten, berücksichtigten.

Bereits vor wenigen Monaten überraschten Klimaforscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen mit einer Studie über die Auswirkungen des Flugverkehrs auf das Klima. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die eisübersättigten Schichten meist schon durch eine Änderung der Flughöhe von wenigen hundert Metern umgangen werden können. Dann entstehen kaum noch Eiskristalle durch die Jetabgase und die Kondenssteifen verflüchtigen sich binnen Sekunden. Die Bildung der hoch liegenden Federwolken, wie die Cirren auch genannt werden, bleibt aus. Doch im Sinne der Flugsicherheit ist mit einer eigenmächtigen Anpassung an eine klimafreundlichere Flughöhe durch den Piloten nicht zu rechnen.