Radioteleskop LOFAR eingeweiht

Das Teleskop der nächsten Generation erhält „königlichen Segen“ und liefert die ersten detailreichen Aufnahmen

Königin Beatrix auf dem Antennenfeld
Königin Beatrix auf dem Antennenfeld

Drenthe (Niederlande) - Am 12. Juni 2010 gab die holländische Königin Beatrix den offiziellen Startschuss für die Inbetriebnahme von LOFAR (LOw Frequency ARay), dem größten und modernsten Radioteleskop der Welt. In Zukunft soll das Antennen-Netzwerk, das sich von seinem Zentrum im Nordosten der Niederlande aus über tausende von Kilometern durch Europa erstreckt, von Astronomen auf der ganzen Welt gemeinsam genutzt werden. Entwickelt wurde das komplett elektronische Teleskop vom niederländischen Institut für Radioastronomie ASTRON.

„Die LOFAR-Technologie wird die Radioastronomie ebenso revolutionieren, wie die Digitalkameras das Fotografieren revolutioniert haben“, meint der Vertreter des deutschen Forschungskonsortiums Marcus Brüggen von der Jacobs University in Bremen und fügt hinzu: „Durch die ungeheure Größe des LOFAR-Netzwerks und die besondere Untersuchungsfrequenz sind Einblicke in das Universum möglich, wie niemals zuvor.“

So wollen Wissenschaftler beispielsweise Strahlung von Wasserstoffgas aus der Frühzeit des Universums auffangen, um die Entstehung der ersten Sterne zu erforschen. Zudem erwarten sie anhand der Radiodaten neue Erkenntnisse über extragalaktische Magnetfelder, Schwarze Löcher und extrasolare Planeten. Aber auch über vergleichsweise nahe Objekte dürfte LOFAR neue Informationen liefern: Die Radiostrahlung von Eruptionen auf der Sonne kann mit einer bislang unerreichten Präzision verfolgt werden. Auf diese Weise ließen sich Prozesse auf der Sonnenoberfläche und deren Einfluss auf das Leben auf der Erde besser verstehen.

Die ersten Testmessungen zeigen, dass sich LOFAR auch im Betrieb bewährt. Durch das erstmalige Zusammenschalten von drei deutschen LOFAR-Stationen mit fünf zentralen Stationen bei Exloo in den Niederlanden ist es einer internationalen Gruppe von Wissenschaftlern kürzlich gelungen, das erste hochaufgelöste Radiobild eines mehrere Milliarden Lichtjahre entfernten Quasars aufzunehmen. Bisher war der nun beobachtete Wellenlängenbereich zwischen vier und zehn Metern für derart detailgenaue Messungen nicht zugänglich.

Bis Ende 2010 sollen neben 36 niederländischen auch acht Stationen in anderen europäischen Ländern dem LOFAR-Netzwerk angehören. Denn die Winkelauflösung der zusammengeschlossenen Antennen hängt direkt vom Abstand zwischen den einzelnen Teleskopen ab. Stammen die Daten beispielsweise ausschließlich von den niederländischen Stationen, zeigen die Aufnahmen des Quasars keinerlei Substrukturen. Unter Einschluss der deutschen Stationen ist die Auflösung bereits zehnmal besser.