Sonne übersät von magnetischen Strukturen

Göttinger Astrophysiker weisen mit einem neuentwickelten Verfahren mindestens 660.000 kleine magnetische Gebiete auf der Sonnenoberfläche nach.

Untersuchte Sonnenoberfläche im Aktivitätsminimum November 2007 und Darstellung der beobachteten magnetischen Strukturen
Untersuchte Sonnenoberfläche im Aktivitätsminimum November 2007 und Darstellung der beobachteten magnetischen Strukturen

Göttingen - Astronomen beobachten schon seit dem frühen 17. Jahrhundert dunkle Flecken auf der Oberfläche unserer Sonne. Während die magnetische Aktivität der Sonne in einem rund 11-jährigen Zyklus schwankt, variiert auch das Vorkommen dieser Sonnenflecken. Zur Zeit werden keine Flecken beobachtet, da sich die Aktivität der Sonne in einem ausgeprägten Minimum befindet. Forscher der Universität Göttingen zeigten nun, dass der Magnetismus der Sonne auch in solchen Phasen geringer Aktivität nachweisbar ist.

Eberhard Wiehr und Burkart Bovelet wiesen mit einem neuen Verfahren nach, dass die Sonnenoberfläche von mindestens 660.000 kleinen Magnetgebieten übersät ist. Diese nur wenige hundert Kilometer großen Flächen sichtbar zu machen, stellte die Astrophysiker vor besondere Herausforderungen: "Sie sind zum Teil derart eng benachbart, dass sich ihre Nord- und Südpolaritäten bei begrenzter Bildschärfe der Teleskope gegenseitig auslöschen", so Dr. Wiehr.

Die Forscher nutzten daher für ihre Beobachtungen das blaue Licht des Kohlenwasserstoff-Moleküls (CH) und das violette Licht des ionisierten Kalziums (Ca+). In diesen Spektralbereichen leuchten die Magnetgebiete deutlich heller als ihre Umgebung. Mit einer neu entwickelten Software konnten in einem Ausschnitt von 108.000 mal 85.000 Kilometern knapp 3.000 kleine magnetische Gebiete identifiziert werden.

Nun steht zur Frage, ob diese Magnetfelder auf die gleiche Weise erzeugt werden wie der mehrjährige Fleckenzyklus oder ob ihre Entstehung nahe der Sonnenoberfläche auf lokale "Dynamoeffekte" zurückzuführen ist.