Globale Erwärmung trotz geringer Sonnenstrahlung

Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung sind der Frage nachgegangen, ob die Schwankungen der Sonnenaktivität das Erdklima beeinflussen.

Oberfläche der Sonne
Oberfläche der Sonne

Potsdam - Die Aktivität der Sonne wird durch ihre Sonneflecken charakterisiert, viele Sonnenflecken weisen dabei auf eine hohe Aktivität hin. Seit die Sonnenflecken beobachtet und aufgezeichnet werden, ist in ihrer Häufigkeit ein etwa elf Jahre dauernder Zyklus zu erkennen.

In diesem Zyklus nimmt die Aktivität der Sonne jeweils zu und wieder ab. Es gibt aber auch Zeiten, in denen die Sonnenaktivität insgesamt sehr niedrig ist. Eine solche Phase durchlief die Sonne beispielsweise während des „Maunder-Minimums“ zwischen 1645 und 1715. Dabei kam es zu einer spürbaren Senkung der Durchschnittstemperatur auf der Erde, der „kleinen Eiszeit“.

Wie Satellitenmessungen zeigen, befinden wir uns zur Zeit wieder in einer Phase eines Aktivitätsminimums der Sonne. Wie lange diese „Ruhepause“ dauern wird, ist bisher noch unklar. Die Potsdamer Forscher haben die zukünftigen Auswirkungen auf das Erdklima in verschiedenen Szenarien simuliert. Dabei prüften sie den Fall, dass der Sonnenfleckenzyklus bis 2100 durch kein großes Minimum überlagert wird. Außerdem simulierten sie die Klimaentwicklung, falls ein andauerndes Aktivitätsminimum in der Größenordnung des „Maunder-Minimums“ und stärker auftritt. Die Daten verknüpften sie mit dem Anstieg der Treibhausgasemissionen, die der Weltklimarat (IPCC) prognostiziert.

Das Ergebnis der Simulationen ist eindeutig: Zu einer erneuten Absenkung der Temperatur, ähnlich wie im 17. Jahrhundert, wird es nicht kommen. Die Forscher berechneten einen Temperaturanstieg von 3,7°C bis 4,5°C bis zum Jahr 2100 zum Vergleichswert von 1960 bis 1991. Selbst ein starkes Aktivitätsminimum würde diesen Anstieg nur um 0,1°C bis 0,3°C verringern. „Ein neues Maunder-Minimum der Sonnenaktivität könnte die globale Erwärmung aufgrund der vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emmission nicht ausgleichen“ so die Wissenschaftler in ihrer Studie.

Dass die Erdtemperatur sich trotz des Minimums bereits in den letzten Jahren merklich erhöht hat, stützt die Vorhersagen der Wissenschaftler für die Zukunft. Statt einer „Eiszeit“ wurde das Jahr 2009 nach 2005 das zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen.