Besitzt der Saturnmond Titan einen unterirdischen Ozean?

Titan, der größte Mond des Planeten Saturn, besitzt möglicherweise einen unterirdischen Ozean. Zu diesem Schluss kommt ein Team europäischer Forscher anhand der Analyse von Radiosignalen, die die Sonde Huygens im Jahr 2005 während ihrer Landung auf dem Himmelskörper aufgefangen hatte.

Saint Maur (Frankreich) - Der Ozean liegt vermutlich mehr als 50 Kilometer tief unter der Eiskruste von Titan verborgen. Die Wissenschaftler berichten im Fachblatt "Planetary and Space Science" über ihre Analyse und Interpretation der Huygens-Daten.

Huygens war "huckepack" auf der amerikanischen Sonde Cassini zum Saturn geflogen und am 14. Januar 2005 auf Titan niedergegangen. Während des Landeanflugs fing Huygens Radiowellen mit der extrem niedrigen Frequenz von 36 Hertz auf. Die Ursache dieser Radiostrahlung konnte bislang nicht zufrieden stellend aufgeklärt werden. Fernando Simoes vom Centre d'Etudes Terrestres et Planetaires im französischen Saint Maur und seine Kollegen aus Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Österreich und Spanien präsentieren nun ein neues Modell, das die Entstehung der rätselhaften Strahlung erklären könnte.

Eine ähnliche Strahlung kennen die Forscher auch auf der Erde. Die Strahlung wird hier durch elektrische Entladungen bei Gewittern erzeugt. Die Radiowellen werden dann mehrfach zwischen Erdoberfläche und Ionosphäre hin- und her reflektiert. Dabei kommt es zur Verstärkung einiger Frequenzen, während andere gedämpft werden. So bleibt schließlich ein "Echo" der Gewitter in einem schmalbandigen Frequenzbereich übrig, ähnlich wie es Huygens auf Titan gefunden hat.

Das Problem: Die Oberfläche von Titan besteht nicht aus Gestein, sondern aus einem kilometerdicken Eispanzer. Zwar hat dieses Eis bei den niedrigen Temperaturen auf Titan -- rund minus 180 Grad Celsius -- durchaus die Härte von Gestein. Doch im Gegensatz zu Gestein reflektiert es die niederfrequente Radiostrahlung schlecht. Das Modell von Simoes und Kollegen zeigt nun, dass die Grenzschicht zwischen dem Eispanzer und einem flüssigen Ozean als Reflektor für die Radiowellen dienen könnte. Ein hoher Anteil an Ammoniak könnte als "Frostschutzmittel" das Wasser auch bei Temperaturen von minus 20 Grad Celsius, wie sie vermutlich unter dem Eispanzer des Saturnmondes herrschen, flüssig halten.