Satellitenaufnahme von Sandsturm in der Wüste Gobi

Windstrom aus der Wüste Gobi

Hamburg – Die Vision des Projekts Desertec, Europa mit Wüstenstrom aus Afrika zu versorgen, macht Schule. So werden japanische Investoren bis 2014 in der öden, aber windreichen Steppe der Mongolei einen Windpark mit 300 Megawatt (MW) Leistung errichten. Parallel ist der Aufbau eines „Asia Super Grid“ geplant – ein Stromnetz, das die Hochspannungstrassen von Japan, Korea, China, der Mongolei und Russlands miteinander verknüpfen soll. Unterstützt wird dieses langfristige Projekt für eine nachhaltige Stromversorgung in Asien von der Desertec-Stiftung in Hamburg.

„Das ist ein wichtiger Schritt zur Umsetzung des Desertec-Konzeptes in Ostasien“, sagt Thiemo Gropp, Vorstand der Desertec-Stiftung. In den kommenden Monaten werden die Investoren der japanischen Softbank Corporation einen geeigneten Standort für den ersten Windpark im mongolischen Teil der Gobi-Wüste auf der Basis von Windmessungen und verfügbarer Infrastruktur auswählen. Nach dem 300-MW-Pilotprojekt könnten noch in diesem Jahrzehnt weitere Windparks mit einer Gesamtleistung von 7000 Megawatt folgen. Neben Wind ist das Potenzial für Solarstrom ebenfalls groß. Auf der Fläche von 1,3 Millionen Quadratkilometern ließe sich mit Solarzellen Zweidrittel des Weltstrombedarfs decken.

Um den erzeugten Strom nach Japan zu transportieren, ist der Bau von verlustarmen Gleichstromleitungen sowohl über Land als auch als Seekabel vorgesehen. „Der Bau eines asiatischen Superstromnetzes ist eine große Herausforderung und erfordert ein hohes Maß an internationaler Zusammenarbeit, doch letztendlich wird es die Mühe wert sein“, sagt Tomas Kåberger, Vorstandsvorsitzender von der Japan Renewable Energy Foundation (JREF), die eng mit der in Deutschland gegründeten Desertec-Stiftung zusammenarbeitet. Besonders Japan hat ein großes Interesse an neuen Stromquellen, da in Folge der Reaktorkatastrophe in Fukushima 2011 auch der Inselstaat langfristig bis etwa 2040 aus der Kernkraft aussteigen möchte.

Ostasien gilt damit nach der afro-europäischen Desertec-Initiative als zweite Modellregion für die Erzeugung von Solar- und Windstrom in unbesiedelten Wüstengebieten. Mit Südamerika könnte eine weitere schon bald folgen. Im Fokus steht Chile mit seiner Atacama-Wüste im Norden des Landes. Laut Desertec-Foundation habe die Atacama-Wüste die höchste Sonneneinstrahlung in der Welt und sei schon deswegen ein idealer Standort für die Gewinnung und Nutzung erneuerbarer Energie. Darüber hinaus habe sowohl Chile als auch das benachbarte Peru einen sehr hohen Energiebedarf wegen der intensiven Bergbauaktivitäten. Überzeugt von der Wüstenstromidee sind die chilenischen Stromversorger allerdings noch nicht und favorisieren bisher die konventionelle Stromerzeugung mit Kohle- und Gaskraftwerken.