Grafik der Erdkugel, ummantelt von einer farbig dargestellten Atmosphäre. Über dem Südpol befindet sich ein Kreis, der das Ozonloch darstellt

Ozonloch schließt sich langsamer als erwartet

Ein internationales Forscherteam hat den Einfluss der kurzlebigen, aber ozonschädigenden Substanz Dichlormethan neu bewertet. Basierend auf aktuellen Messdaten und Modellen warnen sie nun in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ vor den Folgen der bislang nicht verbotenen Verbindung: Die Ozonschicht, die vor gefährlicher UV-Strahlung schützt, könnte sich erst deutlich später erholen als bisher angenommen.

Ryan Hossaini von der Lancaster University in England und seine Kollegen haben die atmosphärische Konzentration von Dichlormethan gemessen, das beispielsweise als Entfettungsmittel in der Metallindustrie oder zum Aufschäumen von Kunststoffen genutzt wird. „Der Ozonabbau durch Dichlormethan ist derzeit zwar eher gering“, sagt Hossaini. Doch jährlich werden etwa eine Million Tonnen Dichlormethan emittiert und seit etwa 2005 nimmt die Konzentration – trotz seiner kurzen Lebenszeit – um mehr als fünf Prozent pro Jahr zu.

Die deutlich erhöhte Emission von Dichlormethan ließen die Wissenschaftler in ein komplexes globales Modell der Atmosphäre einfließen. Der ozonschädigende Effekt des Dichlormethans ließ sich damit von dem anderer verbotener Substanzen wie den Fluorchlorkohlenwasserstoffen – kurz FCKW – getrennt beurteilen. Das Ergebnis: Bleibt die Konzentration konstant, schließt sich das Ozonloch etwa fünf Jahre später als bisher angenommen. Wird Dichlormethan, wie in den vergangenen zehn Jahren, zunehmend genutzt, wird sich die Ozonschicht erst 2080 erholt haben.

Die Studie zeigt eine Lücke im 1987 von der Staatengemeinschaft beschlossenen Montreal-Protokoll, das den Verzicht auf langlebige FCKW regelt. Kurzlebige Chlorkohlenwasserstoffe wie Dichlormethan sind bislang von diesem Verbot ausgenommen. Denn Dichlormethan zersetzt sich schneller in der Atmosphäre und wurde damals in keinen bedeutenden Mengen genutzt. Seitdem wird Dichlormethan jedoch als Ersatzsubstanz für die verbotenen FCKW verwendet.

Mit weiteren Messungen und verfeinerten Modellen wollen Hossaini und seine Kollegen die Auswirkungen von Dichlormethan noch genauer ermitteln. Zudem fordert das Team den Einfluss von Dichlormethan und weiteren verwandten und ebenfalls nicht verbotenen Verbindungen auf die Atmosphäre stärker zu untersuchen und zu berücksichtigen. „Das Ozonloch wird sich nur dann schließen und damit die globale Erholung der Ozonschicht vollziehen, wenn keine chlorhaltigen Substanzen mehr in die Atmosphäre entlassen werden“, verdeutlicht Martin Dameris vom Institut für Physik der Atmosphäre am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen.