Die Milchstraße gehört zu Laniakea

Die Milchstraße ist eine von hunderttausend Galaxien in einem 500 Millionen Lichtjahre großen Supergalaxienhaufen. Das zeigt die Untersuchung der Geschwindigkeiten von über 8000 Sternsystemen durch ein internationales Forscherteam. Die Astronomen haben die gewaltige Galaxienansammlung „Laniakea“ getauft, was in der Sprache der polynesischen Ureinwohner der Hawaii-Inseln „immenser Himmel“ bedeutet. Die neue Methode habe es erstmals ermöglicht, die Grenzen des heimatlichen Superhaufens verlässlich aufzuspüren, so die Wissenschaftler im Fachblatt „Nature“.

Innerhalb der Umgrenzung des Superhaufens verlaufen die Bewegungsrichtungen der Galaxien nach innen.
Laniakea

„Der Begriff Superhaufen wurde bislang ohne präzise Definition verwendet“, erläutert Brent Tully von der University of Hawaii. Nicht zuletzt deshalb sei bislang unklar gewesen, welche Ausdehnung der Galaxienhaufen besitzt, zu dem die Milchstraße gehört. Tully und seine Kollegen aus Frankreich und Israel haben eine neue Methode verwendet, um dieses Manko zu beheben: Sie haben nicht nur die räumliche Verteilung der Sternsysteme, sondern auch ihre Bewegung im Raum untersucht. Denn die gewaltige Masse des Superhaufens sollte die Galaxien anziehen, sie müssten sich also überwiegend in Richtung dieser Anziehung bewegen.

Ausreichend genaue Daten lagen für über 8000 Galaxien in einem Umkreis von 300 Millionen Lichtjahren vor. „Wir sind auf Regionen im All gestoßen, die eine Divergenz der Geschwindigkeiten zeigen“, so Tully, „relativ eng benachbarte Galaxien bewegen sich dort in entgegengesetzte Richtungen.“ Der Astronom vergleicht diese Erscheinung mit irdischen Wasserscheiden, die den Kamm eines Gebirges definieren. Im Weltall definieren die Geschwindigkeitsscheiden die Grenze zwischen den gravitativen Einflussbereichen zweier Supergalaxienhaufen. So konnten Tully und seine Kollegen über die Geschwindigkeiten der Galaxien die Außengrenzen des lokalen Superhaufens festlegen.

Die Milchstraße ist die zweitgrößte Galaxie in der fünf bis acht Millionen Lichtjahre großen „lokalen Gruppe“ aus etwa sechzig Sternsystemen. Viele Galaxien bilden größere Ansammlungen, Galaxienhaufen aus einigen Hundert bis einigen Tausend Galaxien. Galaxiengruppen und -haufen wiederum formen im Kosmos ein Netz aus Filamenten, deren Knotenpunkte die Supergalaxienhaufen sind. Aber dies sind möglicherweise noch nicht die größten Strukturen im Universum. „Unser gesamter Superhaufen scheint sich in Richtung einer weiteren Struktur zu bewegen, die noch größer und weit entfernt ist“, so Tully. Bislang gebe es aber nicht genügend Daten, um Aussagen über die Größe und Zusammensetzung dieser hypothetischen Superstruktur zu machen.