Sonnensystem zu langsam für interstellaren Überschallknall

San Antonio (USA) – Das Sonnensystem bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 84.000 Kilometern pro Stunde durch das umgebende interstellare Gas – 11.000 Kilometer pro Stunde langsamer, als bislang vermutet. Das zeigen jetzt im Fachblatt „Science“ veröffentlichte Messungen eines internationalen Forscherteams mit dem amerikanischen Satelliten IBEX. Die Geschwindigkeit des Sonnensystems ist damit so langsam, das es zwar eine Art Bugwelle im interstellaren Gas erzeugt, aber keine Stoßwelle ähnlich einem Überschallknall.

„Solche Stoßwellen existieren sicherlich bei vielen anderen Sternen“, erläutert David McComas, der Chef-Wissenschaftler der IBEX-Mission. „Unsere Sonne jedoch erreicht nicht die kritische Geschwindigkeit, die nötig ist, um eine Stoßwelle zu erzeugen.“ Ein Vierteljahrhundert lang hätten die Forscher geglaubt, das Sonnensystem erzeuge eine Stoßwelle im interstellaren Gas, so McComas weiter. „Doch eine Bugwelle ist die treffendere Beschreibung für das, was in Bewegungsrichtung des Sonnensystems geschieht.“

Aufnahme mit drei verschiedenen Teleskopen, auf jeder ist ein heller Stern zu sehen, der in einer Art Bugwelle einen Schleier leuchtendes Gas vor sich her schiebt. Zwei Bilder zeigen den Stern im sichtbaren Licht und eines im ultravioletten Lichtspektrum.
Stoßfront im interstellaren Gas

Die Sonne stößt einen permanenten Strom elektrisch geladener Teilchen aus, den sogenannten Sonnenwind. Damit erzeugt unser Zentralgestirn eine Art Blase im Gas zwischen den Sternen, die so genannte Heliosphäre. Diese Heliosphäre bewegt sich gemeinsam mit dem ganzen Sonnensystem durch das All und schiebt dabei das interstellare Gas vor sich her. Wie die neuen Messungen von IBEX zeigen, ähnelt dieser Effekt mehr der Bugwelle eines Bootes als der – als lauter Knall hörbaren – Stoßwelle eines Flugzeuges, das sich mit Überschallgeschwindigkeit bewegt.