Berlin wird für eine Woche Hauptstadt der Physik

5.000 Besucher zur der Jahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft erwartet

Tagungslogo 2008

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Bad Honnef/Berlin - Die Bundeshauptstadt lädt vom 25. bis 29. Februar 2008 zur physikalischen Großveranstaltung. Anlass ist die Jahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) an der Technischen Universität Berlin, zu der rund 5.000 Fachleute aus dem In- und Ausland erwartet werden. „Dies ist der größte europäische und weltweit zweitgrößte Physikkongress des Jahres. Nur die Amerikaner haben üblicherweise noch mehr Teilnehmer“, sagt Professor Eckehard Schöll, Tagungsleiter an der TU Berlin. „Unser Programm umfasst 4.600 Fachbeiträge. Mit 900 Seiten hat es die Ausmaße eines stattlichen Telefonbuchs.“ Tagungsschwerpunkte sind Festkörperphysik und Materialforschung. Darüber hinaus reicht das Themenspektrum von der biologischen Physik über Rüstungskontrolle bis zum Klimawandel.

„Die meisten Teilnehmer kommen aus Deutschland“, berichtet Tagungsleiter Schöll, „doch insgesamt erwarten wir Besucher aus mehr als 30 Ländern. Vertreten sind beispielsweise Großbritannien, Frankreich, Italien, Schweden, Japan und die USA.“ Unter den Gästen sind auch vier deutsche Nobelpreisträger. Gerhard Ertl und Peter Grünberg, die erst im Dezember mit dem Chemie- beziehungsweise mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet wurden, kann das Publikum sogar hautnah erleben: Beide Forscher halten öffentliche Vorträge in der Berliner Urania. Die Nobelpreisträger Theodor Hänsch und Klaus von Klitzing werden derweil im Rahmen eines Fachsymposiums über neueste Entwicklungen der Physik sprechen. Anlass dafür ist der 150. Geburtstag von Max Planck – ein Jubiläum, das im Laufe des Jahres mit diversen Veranstaltungen gefeiert wird. Dem am 23. April 1858 in Kiel geborenen Max Planck verdankt die Physik einen ihrer Eckpfeiler: die Quantentheorie.

Die Tagung ist Treffpunkt sowohl renommierter Fachleute, als auch Forum für junge Physikerinnen und Physiker, die noch am Beginn ihrer Laufbahn stehen. Weil der physikalische Forschungsbetrieb maßgeblich auf der Arbeit von Doktoranden beruht, verleiht der „Arbeitskreis Festkörperphysik der DPG“ einen Preis für die beste Doktorarbeit. Mehrere Kandidaten werden dazu nach Berlin eingeladen, um ihre Forschungsergebnisse einem Expertengremium vorzustellen.

Schwerpunkt der Tagung ist die Festkörperphysik. Dabei geht es insbesondere um neue Materialien, Nanotechnologie und Mikroelektronik. Darüber hinaus ist das Programm sehr vielseitig. Die Vorträge zur biologischen Physik widmen sich zum Beispiel dem menschlichen Gehör und den Vorgängen im Inneren von Körperzellen. Bei der medizinischen Physik geht es unter anderem um Strahlentherapie, in der Didaktik um die Frage, wie sich der Physik-Unterricht verbessern lässt. Ebenfalls vertreten ist eine Disziplin, die sich mit Wirtschaftsprozessen und sozialen Netzwerken befasst: die Physik sozio-ökonomischer Systeme. „Aktienkurse, Wählerstimmungen und die Ausbreitung von Epidemien zeigen Ähnlichkeiten zu physikalischen Phänomenen“, erläutert Schöll. „Im Grunde genommen geht es um Massenphänomene, entweder um das Zusammenwirken vieler Teilchen oder eben vieler Menschen. Deshalb lassen sich sozio-ökonomische Vorgänge mit Methoden untersuchen, die ursprünglich für die Physik entwickelt wurden. Das Verhalten einzelner Personen ist damit nicht zu fassen, aber man kann Aussagen treffen über das Verhalten der Masse. Dies reicht bis zur Analyse von Internet-Hypes und dem Saisonverlauf der Fußball-Bundesliga.“

Die Tagung befasst sich neben der Grundlagenforschung auch mit technischen Entwicklungen, etwa im Bereich der Erneuerbaren Energien. Schwerpunkte sind hier Biokraftstoffe, Solartechnik und Windkraft. Auf dem Programm stehen ferner gesellschaftspolitische Fragen wie die Frauenförderung in den Naturwissenschaften. „Außerdem sprechen wir über Karrierechancen für Physikerinnen und Physiker in der Industrie und bieten eine Jobbörse“, berichtet Tagungsleiter Schöll. Er unterstreicht, dass man sich auch mit brisanten Angelegenheiten auseinandersetzen werde: „Wir erwarten internationale Fachleute, die über Abrüstung und Rüstungskontrolle berichten werden. Und obendrein widmen wir uns einem Thema, das uns noch lange beschäftigen dürfte: dem Klimawandel.“

Quelle: https://www.weltderphysik.de/thema/politik-institutionen/2008/berlin-wird-fuer-eine-woche-hauptstadt-der-physik/