Sonja Schuh

Dinge sehen, die niemand zuvor gesehen hat

Sonja Schuh ist Assistentin am Institut für Astrophysik in Göttingen. Als Astrophysikerin ist sie in Forschung und Lehre tätig. Sie arbeitet auf dem Gebiet der stellaren Astrophysik und interessiert sich dort insbesondere für Spätstadien der Sternentwicklung, also das, was mit Sternen am Ende ihres Lebens passiert. Lesen Sie hier, was Sie uns bei unserem Besuch erzählt hat.

Video: Interview mit Sonja SchuhPortrait Sonja Schuh
Video: Interview mit Sonja Schuh

Ein typischer Stern lebt davon, dass er Wasserstoff zu Helium fusioniert. In diesem Stadium verbringt er die meiste Zeit seines Lebens. Irgendwann sind diese Vorräte aber aufgebraucht, es ist dann möglich noch ein paar andere Energiequellen anzuzapfen. Letztendlich wird fast jeder Stern aber durch eine Phase der roten Riesen gehen, wo er sich zunächst sehr stark aufbläht, einen großen Teil seiner Hülle verliert und letztendlich sich zu einer kleinen, mickrigen Sternleiche entwickeln wird. In der sind dann sämtliche Fusionsprozesse erloschen. Das nennt man dann auch Weißen Zwerg.

An der Universität macht gegenüber außeruniversitären Forschungseinrichtungen natürlich insbesondere der direkte Kontakt zu den Studierenden sehr viel Spaß. Es ist reizvoll, das, was man selbst gelernt hat, an andere weitergeben zu dürfen, auch eine eigene Arbeitsgruppe zu haben, mit jungen Leuten, die man in ihrer eigenen Karriere weiterbringen kann. Die Lehrtätigkeit insgesamt ist schon etwas, das mir an meiner momentanen Tätigkeit besonders viel Spaß macht.

In diesem Semester halte ich eine Vorlesung, die sich „Astrophysik mit der Stoppuhr“ nennt, die sich also um zeitabhängige Phänomene in der Astrophysik kümmert. Außerdem leite ich das Fortgeschrittenenpraktikum, in dem wir den Studierenden die Benutzung unseres Teleskopes hier am Institut nahezubringen versuchen.

Zum Beobachten war ich das erste Mal in La Silla in Chile – vor recht langer Zeit bereits. Das war damals eine sehr schöne Gelegenheit. In der Zwischenzeit hab ich dann auch sehr oft Daten am Calar-Alto-Observatorium in Spanien messen dürfen. Das Teleskop, was mich wahrscheinlich am meisten Beeindruckt hat, war tatsächlich bei meiner allerersten Beobachtung das NTT (New-Technology-Telescope) auf La Silla. Es hat damals als ein Modell für das Very-Large-Teleskop gedient, also für die acht Meter Teleskope, die jetzt auf Paranal von der ESO betrieben werden. Dort wurden diese ganzen Technologien wie verformbarer Spiegel und Ausgleich des Seeings in der Atmosphäre zum ersten Mal getestet. Gleichzeitig war es eines der größeren Teleskope, die ich insgesamt in meiner Laufbahn zu Gesicht bekommen habe, bzw. direkt damit vor Ort arbeiten durfte. Da das gleichzeitig auch die erste professionelle Beobachtung war, war das natürlich schon ein sehr einschneidendes Erlebnis.

Wenn man Beobachten fährt, dann sind die Arbeitstage normalerweise schon relativ lang, da ist man dann locker 15 Stunden am Stück damit beschäftigt, das beste aus der Zeit zu machen. Wenn man dann nachts am Teleskop sitzt und Beobachtungen reinkommen, dann ist besonders Tolle an der Situation, dass man Informationen über astronomische Objekte bekommt, die vor einem noch niemand gesehen hat, die einem erlauben neue Dinge zu erfahren, zu lernen und das dann auch anderen erzählen zu können.

Zur Astrophysik bin ich eigentlich gekommen über Fragen nach dem Universum als Ganzem. Mit der Zeit bin ich da bescheidener geworden. Was mich insbesondere interessiert, sind ein Teil der Bausteine, nicht des Universums – das wären die Galaxien – sondern die Einheiten, die die sichtbaren Einheiten, die die Galaxien aufbauen, das sind die Sterne. Das sind die Objekte, die mich besonders faszinieren, über die ich versuche, zu lernen.

Meine momentanen Bemühungen zielen durchaus auf eine akademische Karriere, es muss einem bei dieser Entscheidung aber natürlich auch sehr bewusst sein, dass die Stellen da relativ knapp sind. Man sollte sich natürlich auch die Alternative offen halten, irgendwann für die Wirtschaft noch attraktiv zu sein, falls das mit der Laufbahn als Hochschullehrer eben doch nichts wird.

Es ist natürlich nicht ganz einfach, eine wissenschaftliche Laufbahn und Familiengründung unter einen Hut zu bringen. Insbesondere muss man an diese Stelle sagen, dass natürlich nur die positiven Beispiele übrig bleiben und alle diejenigen, bei denen entweder dann die Familie auf die eine oder andere Art und Weise oder die Karriere auf der Strecke geblieben sind, dann auch so aus dem unmittelbaren Umfeld verschwinden. Man sollte sich da der besonderen Belastung in der Wissenschaft schon bewusst sein. Trotzdem gibt es diese positiven Beispiele, und die Universität bemüht sich auch an allen möglichen Stellen, die Möglichkeit zur Vereinbarkeit zu vereinfachen. Wir haben hier im Gebäude zum Beispiel ein Eltern-Kind-Zimmer, es gibt eine neue Kindertagesstätte, auch wenn da die Plätze natürlich – wie überall sonst – schnell vergeben und schwierig zu bekommen sind. Es gibt aktuell eine Diskussion, hier einen Spielplatz im Nordbereich anzulegen, der es dann leichter machen soll, die Kinder mit dabei zu haben. Da verändert sich die Situation sicherlich zum Guten oder zum Besseren.

Ich denke, wenn ich noch einmal die Wahl hätte, würde ich nach dem Abi nochmal Physik studieren, ja.