Und es verschiebt sich doch: Gold unter Druck

Gold -- der Inbegriff edler Stabilität -- kommt unter höchstem Druck doch ins "Rutschen". Ein internationales Forscherteam bestätigte jetzt erstmals, was die Theorie voraussagte: Bei Drücken und Temperaturen wie am Erdmittelpunkt verschiebt sich das Kristallgitter von Gold.

Grenoble (Frankreich)/Bayreuth - Da es bis dahin aber extrem stabil bleibt und sich stark zusammenpressen lässt, eignet es sich ideal als Druckanzeiger für hohe Drücke in heißer Umgebung.

"Diese neuen Ergebnisse in Experiment und Theorie erinnern uns, dass es kein 'absolut' unveränderbares Material gibt. Und das edelste aller Metalle, Gold, ist keine Ausnahme von der Regel", erklärt Leonid Dubrovinsky, Physiker am Bayerischen Geoinstitut in Bayreuth. Gemeinsam mit Kollegen an der Universität Heidelberg, den schwedischen Universitäten Uppsala und Linköping und dem Königlichen Institut für Technologie in Stockholm arbeitete Dubrovinsky an der Europäischen Synchrotron-Strahlungsanlage ESRF in Grenoble. Dort platzierten sie die Goldprobe in eine so genannte Diamond-Anvil-Cell, eine Hochdruckzelle, die von außen erhitzt wurde.

Die Berechnungen hatten vorhergesagt, dass sich die dichtgepackten Goldatome ab einem Druck von rund 250 Gigapascal aus ihrem klassischen kubischen Kristallgitter verschieben würden. Bisher war bewiesen, dass Gold bis mindestens 180 Gigapascal stabil bleibt. Nun konnten die Forscher nachweisen, dass sich die Goldatome ab einem Druck von rund 240 Gigapascal von der kubischen Kristallstruktur zur hexagonal dichtesten Kugelpackung verschieben. Dieser Druck entspricht dem 2,4-millionenfachen Atmosphärendruck, wie er rund 5500 Kilometer unter der Erdoberfläche herrscht.