Windradbauer Vestas gewinnt weltweit höchst dotierten Energiepreis

Mit dem "Zayed Future Energy Prize" will sich Abu Dhabi als Zentrum für Erneuerbare Energien empfehlen - doch häuft sich Kritik am "Nobelpreis für Energie"

Preisverleihung
Preisverleihung

Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) - Im zweiten Jahr in Folge wird nach Toyota ein marktführendes Unternehmen mit dem "Zayed Future Energy Prize" im Emirat Abu Dhabi ausgezeichnet. Der dänische Hersteller für Windkraftanlagen Vestas erhielt gestern abend für seine "Hauptrolle beim Aufbau der Industrie für erneuerbare Energien" ein Preisgeld von 1,5 Millionen Euro. Über die beiden zweiten Preise, dotiert mit jeweils 350.000 Dollar, freuten sich das amerikanische Investmentunternehmen E&Co, das den Aufbau kleiner Energiefirmen in Entwicklungsländern unterstützt, und der Amerikaner Amory B. Lovins, der am Rocky Mountain Institute in Colorado energieeffiziente Häuser, Fabriken und Fahrzeuge entwirft.

"Vestas zeichnete sich durch seine Dynamik bei der Entwicklung der Windenergie aus", begründete der Leiter der Jury Rajendra Pachauri, Vorsitzender des UN-Klimarats, die einstimmig erfolgte Wahl. 1987 gegründet behauptet sich Vestas heute mit über 41.000 installierten Windrädern als Weltmarktführer. "Dieser Preis ist sehr den Pionieren und den über 20.000 Mitarbeitern in unserem Unternehmen zu verdanken", sagt Vestas-Geschäftsführer Detlev Engel. In die Firmenkasse fließt das Preisgeld jedoch nicht. Engel verteilte in einer großzügigen Geste die halbe Summe an die drei der sechs Finalisten, die nicht ausgezeichnet wurden. So erhalten das Photovoltaik-Unternehmen First Solar, das Barefoot College in Indien und Terry Tamminen, Gründer der Beratungsfirma 7th Generation Advisors, je 250.000 Dollar. Die andere Hälfte widmet Engel der Organisation "Windmade", die sich um einen Industriestandard für Produkte, die mit erneuerbaren Energien hergestellt wurden, bemühen will.

Mit der diesjährigen Gewinnerwahl häufen sich allerdings auch kritische Stimmen zum Zayed Future Energy Prize, der bereits oft als "Nobelpreis für Energie" bezeichnet wurde. Denn mit Vestas und dem Vorjahresgewinner Toyota spielt offenbar das Auswahlkriterium "Führerschaft" ("Leadership") eine allzu bedeutende Rolle. Auf die Nachfrage, ob die Auszeichnung von Marktführern von energierelavanten Branchen zum Leitbild der Preises werden solle, dementierte Pachauri. "Es ist ein Zufall, dass zwei Jahre hintereinander große Firmen diesen Preis erhalten haben." Sie hätten alle Kriterien - langfristige Relevanz, Innovation und Führerschaft - am besten erfüllt.

Dennoch könnte die diesjährige Wahl das Emirat und das staatseigene Energieunternehmen Masdar zur Prüfung der Preiskriterien zwingen, um in Zukunft kleinere und viel versprechende Energieprojekte in aller Welt besser zu unterstützen. Insgesamt zählt der Energiepreis zu mehreren Initiativen, um das Emirat Abu Dhabi als internationales Zentrum für Erneuerbare Energien zu etablieren. Aber neben der aufkommenden Kritik am Zayed Future Energy Prize häufen sich in jüngster Zeit einige Rückschläge.

So stockt der Aufbau der klimaneutralen Stadt Masdar-City. In einem überarbeiteten Masterplan verabschiedeten sich die Planer von der Fertigstellung im Jahr 2016 und fassen nun die erste Hälfte des kommenden Jahrzehnts ins Auge. Der Aufbau einer Anlage für Photovoltaik-Module der Masdar-Tochter Masdar Power in Abu Dhabi wurde wegen mangelnder Erfolgschancen auf Eis gelegt. Eine Wasserstoff-Fabrik, die zusammen mit dem Partner BP zugleich Kohlendioxid für eine effizientere Ölforderung liefern sollte, wird sich laut Medienberichten deutlich verzögern. Und nicht zuletzt nahm in diesem Jahr das Publikumsinteresse am World Energy Future Summit, das laut offiziellen Angaben mehr als 25.000 Besucher anlocken sollte, ab. Trotz der geballten Präsenz nahezu aller internationalen Energieunternehmen und lobender Ansprachen zahlreicher Staatsführer, Minister und vom UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon sind die Vortragssäle dieses Jahr kaum zu einem Drittel gefüllt. Ebenso wurden - im Unterschied zu den Vorjahren - deutlich weniger wegweisende Neuigkeiten für die Branche der Erneuerbaren Energie präsentiert.