Strom aus dem Halmenwald

Kunst und regenerative Kraftwerke vereinen sich zu spektakulären Landschaften - Gewinner des "Land Art Generator"-Wettbewerbs

Windstalk
Windstalk

Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) - So sauber der Strom aus Windparks und Biogasanlagen sein mag, will doch kaum jemand in der Nähe dieser Kraftwerke wohnen. Aber Technik und Design müssen sich nicht ausschließen, eine regenerative Stromerzeugung lässt sich mit kunstvollen und lebenswerten Landschafts-Projekten kombinieren: Solch spektakuläre Konzepte für die Kraftwerke der Zukunft sammelte die "Land Art Generator Initiative" von Designern aus über 40 Staaten. Solaranlagen auf Pyramiden oder in Form eines Skulpturenparks und gigantische Felder aus Stromhalmen wurden nun auf dem World Energy Future Summit in Abu Dhabi zu den Gewinnern des ersten Designwettbewerbs für Erneuerbare Kraftwerke gekürt.

Mehr als 1200 gigantische Halme mit einer Länge von je 55 Metern könnten sich sanft im Wind bewegen und dabei genug Strom für 5000 Haushalte liefern. 20.000 Megawattstunden Strom pro Jahr soll der "Windstalk"-Park vom "Atelier DNA" in New York ganz ohne drehende Rotoren und Generator erzeugen. Dazu werden die Karbonfaser-Halme am Boden in Halterungen mit piezoelektrischen Elementen verankert. Bei jeder Bewegung produzieren diese elektrischen Strom und zugleich können Spaziergänger gefahrlos zwischen den gertenförmigen Kraftwerken flanieren. Ausgezeichnet mit dem 2. Preis suchen die Entwickler nun nach Investoren für ihren besonderen Windpark.

Näher an einer Realisierung ihres Entwurfs wähnen sich die amerikanischen Designer um Robert Flottemesch. Ihr Konzept "Lunar Cubit" gewann den Wettbewerb mit gigantischen, mit Solarmodulen bestückten Pyramiden. 250 Haushalte soll das Kraftwerk, das den Pyramiden von Gizeh nachempfunden wurde, mit Strom versorgen. Nahe der Energiestadt Masdar City, etwa fünf Kilometer von der Hauptstadt Abu Dhabi entfernt, könnten insgesamt neun Solarpyramiden nicht nur das Sonnenlicht, sondern auch bewundernde Blicke einfangen. Leuchtdioden an den Flanken werden Passanten anzeigen, wie viel Strom die Anlage mit knapp zwei Megawatt Leistung produziert.

Den dritten Preis sicherte sich das Skulpturenprojekt "Solaris", benannt nach dem berühmten Science-Fiction-Roman von Stanislaw Lem. Entworfen von der Architekten des Unternehmens "Predock_Frane" in Los Angelas sollen 1418 Solarpaneele eine geschwungene Dünenlandschaft nachbilden. Mit einer installierten Leistung von 45 Megawatt gehen die Entwickler von einer Stromausbeute von über 70.000 Megawattstunden pro Jahr aus, genug für etwa 20.000 Haushalte.

Andere Konzepte hatten nicht nur die Stromerzeugung im Blick. Die Installation "DEWelectric" kombiniert Auswindkraftwerke elegant mit einem System zur Trinkwassergewinnung. Meerwasser könnte durch das intensive Sonnenlicht verdunsten und an großen Sammelflächen wieder kondensieren. Das Projekt "Fern" setzte auch halblichtdurchlässige Solarmodule, die sich wie große Blätter nach dem Stand der Sonne ausrichten. Dabei könnte immer noch genug Licht auf die umgebenden Flächen für Weidewiesen und Ackerbau fallen.

Mit der jüngsten Preisverleihung startet die "Land Art Generator"-Initiative in die nächste Runde und sammelt ab sofort neue Vorschläge für kunstvolle, regenerative Kraftwerken. Voraussichtlich Anfang 2012 werden die nächsten Gewinner gekürt werden. Parallel steht die Initiative als Anlaufstelle für potenzielle Investoren zur Verfügung.