Kamera-Ball schießt spektakuläre Rundum-Fotos

Pfiffige Erfindung von Berliner Wissenschaftlern nutzt 36 Fotochips - Patent angemeldet

Ball-Kamera mit 36 Bildchips
Ball-Kamera mit 36 Bildchips

Berlin - Mühsam lässt sich bisher aus mehreren Einzelaufnahmen ein Rundum-Panaromafoto zusammenstellen. Mit einer handlichen Ball-Kamera, entwickelt von einem Team der Technischen Universität Berlin, klappt die 360-Grad-Aufnahme nun viel schneller und einfacher. Ausgestattet mit 36 Fotochips muss die pfiffige Erfindung nur einige Meter hoch geworfen werden und löst automatisch am höchsten Punkt aus. Im Praxistest entstanden so bereits eindruckvolle Panorama-Aufnahmen, die die Entwickler im Dezember auf der Fachkonferenz "ACM Siggraph" in Hong Kong präsentieren werden.

"Der Ball fängt ein Panoramabild ein und der Fotograf fängt darauf die Kamera", erklärt Jonas Pfeil von der Arbeitsgruppe Computergrafik der TU Berlin. So kinderleicht die Handhabung ist, so ausgeklügelt ist die verwendete Technik. So druckten Pfeil und Kollegen mit einem 3D-Drucker ein handballgroßes Gerüst aus einem widerstandfähigen und flexiblen Kunststoff aus. In diesen setzten sie - geschützt mit Schaumstoff - eine Batterie, eine Kontrolleinheit und 36 Fotochips mit jeweils zwei Millionen Bildpixeln und festem Bildfokus wie sie auch in Mobiltelefone eingebaut werden. Für die Kontrolle des Auslösezeitpunkts steuerten sie die Bildchips über einen integrierten Beschleunigungssensor.

Dieser Sensor misst die Wucht, mit der die insgesamt 753 Gramm schwere Ball-Kamera in die Höhe geworfen wird. Aus dieser Beschleunigung kann rasch der Zeitpunkt errechnet werden, zu dem der Ball seine maximale Höhe erreicht haben wird. Genau zu diesem Zeitpunkt schießen alle Bildchips simultan ein Foto. Wieder aufgefangen können diese Daten über eine USB-Schnittstelle ausgelesen und von einem Bildbearbeitungsprogramm automatisch zu einem Panorama-Foto zusammengesetzt werden.

Die ersten Aufnahmen zeigen allerdings noch leichte Schwächen an den Übergängen der einzelnen Bilder. Doch mit einem ausgefeilteren "Stitching-Programm" will Pfeil dieses Problem in den Griff bekommen. Zur Stabilität der auf den ersten Blick recht robust konstruierten Kamera kann er bisher nicht viel sagen. "Denn bisher ist uns der Kamera-Ball noch nicht hingefallen", sagt Pfeil. Sind diese Fragen beantwortet, könnte auf den ersten Prototyp schon bald ein marktfähiges Produkt folgen. An Anfragen mangelt es laut Pfeil jedenfalls nicht und zum Patent ist die Ball-Kamera auch schon anmeldet.

Da alle verwendeten Komponenten am Markt verfügbar sind, werden die Kosten für Plastik-Gerüst, Bildchips und Elektronik im überschaubaren Rahmen bleiben. So ist es nicht ausgeschlossen, dass sich in den nächsten Jahren eine neue Art der Fotografie entwickeln könnte. Touristen werden dann nicht mehr auf ihr Kamera-Display schauen, sondern vor den besuchten Sehenswürdigkeiten kleine Bälle in die Höhe werfen.