Erdölförderung aus der Tiefsee wird sich bis 2015 verdoppeln

Trotz der "Deepwater Horizon"-Katastrophe wird die Exploration vor Brasilien und im Golf von Mexiko zunehmen

Ölbrände im Golf von Mexiko
Ölbrände im Golf von Mexiko

Hannover - Am 20. April jährt sich der Unfall auf der Bohrplattform "Deepwater Horizon", der weite Teile des Golfs von Mexiko mit Erdöl verseuchte und elf Menschenleben forderte. Doch trotz höherer Sicherheitsauflagen für die Förderung von Erdöl aus der Tiefsee werden die Erdölreserven unter dem Meeresboden immer wichtiger. Zu diesem Ergebnis kommt die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die in einer Studie von einer Verdopplung der Fördermenge bis 2015 ausgeht.

"Aufgrund der enormen Herausforderungen der Tiefwasserexploration dauert es meist länger als zehn Jahre von der Entdeckung eines Feldes bis zur Produktion. Daher können diese neuen Felder erst in den nächsten Jahren maßgeblich zur Erdölproduktion beitragen - unter der Voraussetzung hoher Sicherheitsstandards", sagt BGR-Experte Dieter Franke. Da sich der Preis für ein Barrel Erdöl mittelfristig bei über 100 Dollar bewegen wird, schrecken die Förderunternehmen nicht vor den höheren Kosten für die Tiefbohrungen zurück.

Im Jahr 2000 betrug der weltweite Anteil an Tiefwasser-Erdöl nur drei Prozent. Schon bis 2009 steigerte er sich mit 250 Millionen Tonnen Erdölförderäquivalent auf sieben Prozent. Und binnen vier Jahren bis 2015 wird die Förderung laut BGR-Studie auf 500 Millionen Tonnen und entsprechend 15 Prozent zunehmen. Die ergiebigsten Tiefseegebiete mit geschätzten 13 Milliarden Tonnen befinden sich im Golf von Mexiko und vor der Küste Brasiliens. Allein das 2006 gefundene Tupi-Erdölfeld im Südatlantik in 2115 Meter Wassertiefe wird auf 0,7 bis 1 Milliarde Tonnen geschätzt.

Neue Erdölvorkommen werden zum Großteil in der Tiefsee entdeckt, die Lager an Land sind dagegen weitestgehend bekannt. So lagern in einem Gebiet von der Arabischen Halbinsel über Iran und Kasachstan bis nach Russland etwa 74 Prozent der globalen Erdölreserven. Diese Vorkommen sollen die Versorgung noch für etwa 40 Jahre sichern können. Gelingt es jedoch, auch die Ressourcen von den Ölsanden in Kanada über Ölschiefer in den USA bis zum Schwerstöl in Venezuela mit vertretbarem Aufwand zu fördern, wäre beim heutigen Verbrauch ausreichend Erdöl für weitere 80 Jahre verfügbar.