Wärmeres Weißlicht für Leuchtdioden

Neue Klasse organischer Moleküle könnte das Licht von Energiesparlampen angenehmer machen

Neuer Leuchtstoff
Neuer Leuchtstoff

Warschau (Polen) - Stromfressende Glühlampen mit Wolframdraht haben wegen ihres angenehmen Lichtspektrums noch immer viele Liebhaber. Doch der Wechsel zu Energiesparlampen oder hoch effizienten Leuchtdioden könnte bald dank eines neuen Leuchtstoffs leichter fallen. Polnische Wissenschaftler haben eine Substanz entdeckt, die nach einer elektronischen Anregung - beispielsweise mit ultravioletter Strahlung - ein ausgewogenes Weißlicht aussenden. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift "Physical Chemistry Chemical Physics".

"Wir haben eine Klasse organischer Moleküle entdeckt, die weißes Licht über ein kontinuierliches Spektrum im sichtbaren Bereich emittieren", sagt Jerzy Karpiuk vom Institut für Physikalische Chemie der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Die Substanzen, sogenannte Kristallviolettlaktone, haben trotz ihrer einfachen chemischen Struktur zwei lichtaktive Zentren. Diese Fluorophore senden zum einen ein blaues, zum anderen ein orangefarbendes Licht aus. Überlagern sich diese beiden breitbandigen Spektren, entsteht das als angenehm empfundene Weißlicht. Um einen vergleichbaren Effekt mit bisher genutzten Substanzen zu erzielen, müssen viele verschiedene Moleküle zeitgleich zum Leuchten angeregt werden.

Kristallviolettlaktone werden bereits heute industriell genutzt. Mit ihnen sind winzige Kügelchen in kohlefreiem Durchschlagpapier gefüllt, die auf Druck aufplatzen und Papier blassblau einfärben können. Nun könnten mit den gleichen Substanzen Energiesparlampen und Leuchtdioden entwickelt werden, die in einem weißen Licht ähnlich dem natürlichen Sonnenlicht erstrahlen. Bis dahin sind allerdings noch weitere Experimente nötig. Denn bisher ist die Effizienz dieser Lichterzeugung über Fluoreszenz noch zu gering, um mit den verfügbaren Leuchtmitteln konkurrieren zu können. "Wir sind sicher, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Lichtquellen mit natürlichem Weißlicht konstruiert werden", ist Jerzy Karpiuk überzeugt.