Stadtmobil saugt Strom aus der Straße

Ein neues Elektromobil fährt ohne teure Lithium-Akkus - stattdessen zieht der Prototyp seinen Strom über Induktion kontaktlos aus der Fahrbahn

E-Quickie - Elektromobil
E-Quickie - Elektromobil

Karlsruhe - Das Elektromobil "E-Quickie" kann ohne teure Lithium-Akkus bis auf Tempo 50 beschleunigen und könnte mit seiner hohen Effizienz die Basis für eine völlig neue abgasfreie Mobilität in Innenstädten legen. Der Prototyp saugt dabei seinen Strom über elektrische Induktion aus der Test-Straße, die mit elektrischen Leiterbahnen ausgestattet ist. Entwickelt wurde das nur 60 Kilogramm schwere Elektromobil von Studierenden der Hochschule Karlsruhe.

"Schon in Industrieunternehmen konnten Flurförderfahrzeuge auf diese Art betrieben werden", sagt Jürgen Walter, Leiter des Projekts an der Fakultät für Maschinenbau und Mechatronik. Doch so schnell und effizient wie der "E-Quickie" waren all diese Ansätze nicht. Angetrieben wird das aus Carbonfasern gefertigte Fahrzeug von einem Nabenmotor mit zwei Kilowatt Leistung, wie sie auch in schnellen E-Bikes eingesetzt werden. Damit verbraucht "E-Quickie" kaum mehr als ein starker Bodenstaubsauger. In seiner Kabine findet bislang eine Person Platz. Seinen Strom bezieht das im Windkanal aerodynamisch optimierte E-Mobil über elektrische Induktion kontaktfrei aus Leiterbahnen, die zuvor in die Fahrbahn integriert werden müssen. Oberleitungen oder gar Schienen wären nicht nötig.

Auf einer 222 Meter langen Teststrecke an der Hochschule konnte das Fahrzeug ohne Probleme 40 Runden drehen. Und für ein Fortkommen abseits der Leiterbahnen haben die Entwickler auch gesorgt: Mit Akkus als Strompuffer könnten kurze Strecken beispielsweise auf dem Weg von der Straße in eine Garage überbrückt werden. Das Aufladen dieser Akkus geschieht dabei nahezu unbemerkt während des normalen Fahrbetriebs. "Wir sind mit halbvollen Batterien an den Start gegangen und mit vollen angekommen", sagt Walter.

Mit diesen erfolgreichen Testfahrten ist das Projekt "E-Quickie" aber noch nicht abgeschlossen, sondern könnte erst richtig Fahrt aufnehmen. "Wir planen auf dem Hochschulcampus eine Teststrecke einzurichten, um die Alltagstauglichkeit des Systems zu untersuchen, aber auch, um das Fahrzeug in Sachen Energiebedarf und Gewicht weiter zu optimieren", sagt Walter. Und schon heute denken die Wissenschaftler an weitere Strecken innerhalb von Karlsruhe. So könnten in einigen Jahren in den Straßen zwischen Karlsruher Schloss, Hochschule und dem rund zehn Kilometer entfernten Forschungszentrum Karlsruhe Leiterbahnen verlegt werden. Dadurch wäre ein Praxistest unter realen Bedingungen möglich.