Neue internationale Agentur "IRENA" soll erneuerbare Energien zum Durchbruch führen

Heute legen bis zu 50 Staaten in Bonn den Grundstein für die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien – IRENA soll weltweit den massiven Ausbau von regenerativen Energiequellen fördern

Bonn - Zur Bekämpfung der globalen Erwärmung wollen zahlreiche Staaten bis zum Jahr 2020 bis zu 30 Prozent ihres Energiebedarfs aus regenerativen Quellen decken. Um dieses Ziel leichter zu erreichen, wird heute, am 26.01.2009, in Bonn der Gründungsvertrag für die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien, IRENA, unterzeichnet. Diese Initiative, die maßgeblich von Deutschland, Spanien und Dänemark vorangetrieben wurde, soll allen Mitgliedstaaten helfen, die Möglichkeiten der erneuerbaren Energien besser zu nutzen. Von einer Beratung der Regierungen über verstärkten Informationsaustausch bis zum Technologietransfer soll mit Irena die Lücke zwischen dem großen Potenzial der Erneuerbaren Energien und dem relativ geringen Marktanteil so schnell wie möglich geschlossen werden.

Die Initiatoren erwarten, dass bis zu 50 Staaten den Gründungsvertrag unterschreiben werden. Insgesamt werden Vertreter aus mehr als 100 Staaten erwartet. "Das ist der Club für die Zukunft", sagte vergangene Woche Matthias Machnig, Staatssekretär des Bundesumweltministeriums, auf dem World Future Energy Summit in Abu Dhabi. Nach der Gründung von IRENA soll unverzüglich mit der Arbeit begonnen werden. Mitte 2009 sollen der Sitz der Agentur festgelegt, der Generaldirektor für die Startphase bestimmt und die Organisation sukzessive aufgebaut werden. "Da Spanien heute 80 Prozent seiner Energie importiert, ist die neue Agentur für das Erreichen unserer wirtschaftlichen Ziele sehr wichtig und kann den Startpunkt für eine globale Revolution bei der Energieversorgung setzen", sagt Rafael Matos, Energieexperte im spanischen Außenministerium.

"In der Internationalen Energieagentur IEA können nur OECD-Staaten Mitglied sein", betont Hans Jorgen Koch, Staatssekretär des dänischen Energieministeriums eines wesentliche Motivation für die Gründung einer neuen Agentur. Die IEA befasse sich zudem vor allem um die Entwicklung der fossilen und nuklearen Energiequellen, ergänzt Hermann Scheer, Präsident von Eurosolar und Mitglied des Bundestages (SPD). "Nur zwei Prozent des IEA-Budget sind für die regenerativen Energien vorgesehen", unterstreicht Hans Jorgen Koch die Notwendigkeit für die Irena-Gründung.

Langjährige Versuche, die Förderung der Erneuerbaren Energien innerhalb einer für alle Staaten offenen UN-Sektion anzusiedeln, seien laut Scheer nicht erfolgreich gewesen. Daher habe man sich auf die Gründung der neuen Agentur verständigt, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Alle Staaten sind nun eingeladen, IRENA beizutreten, um ihre Energie- und Klimaschutzziele leichter erreichen zu können.

Selbst das reichlich mit Erdöl gesegnete Emirat Abu Dhabi wird zu den Unterzeichnern des IRENA-Gründungsvertrages zählen. Neben der Windkraft setzt der Golfstaat vor allem auf den Ausbau von Solarthermie-Kraftwerken und Photovoltaik-Anlagen, um bis zum Jahr 2020 immerhin sieben Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Damit gilt Abu Dhabi als ein Vorreiter für erneuerbare Energien im Club der Ölstaaten. "Gerne würden wir auch den Sitz von IRENA in Abu Dhabi haben", sagt Sultan Ahmed al-Jaber, Direktor des Staatsfonds Masdar. Wie dafür die Chancen des Emirats allerdings gegen die IRENA-Initiatoren Deutschland, Spanien und Dänemark stehen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.