Ölschiefer als mögliche Rohölquelle

Mit Eisenpartikeln wollen Forscher den Schichtgesteinen leichter die nutzbaren Ölkomponenten entreißen – gigantische Reserven locken

Ölschiefer
Ölschiefer

Edmonton (Kanada) - Bei explodierenden Ölpreisen steigt das Interesse für bisher wirtschaftlich uninteressante Lagerstätten. Nachdem in Kanada Rohöl bereits aufwändig aus Ölsanden gewonnen wird, könnte die begehrte Flüssigkeit in Zukunft auch aus geschichteten Ölschiefer-Gesteinen destilliert werden. Kanadische Forscher testeten nun, wie geringe Mengen von Eisenpartikeln diesen Prozess vereinfachen könnten und veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachblatt "Energy & Fuels".

"Die erwiesenen Ölschiefer-Reserven beziffern sich weltweit auf über 80.000 Millionen Tonnen", schreiben Tayfun Babadagli und seine Kollegen von der University of Alberta. Große Lagerstätten dieser Sedimentgesteine befinden sich in Australien, auf dem nordamerikanischen Kontinent und sogar in Europa. Doch um an das Kerogen, den nutzbaren organischen Anteil von 10 bis 30 Prozent, zu kommen, muss das Gestein in einem Verschwelungsprozess auf etwa 500 Grad Celsius erhitzt werden. Dieses energieintensive Verfahren kann durch die Zugabe von 0,1 bis 1 Prozent an eisenhaltigem Pulver optimiert werden.

In Laborversuchen steigerten Babadagli die Wärmeleitfähigkeit von vier verschiedenen Ölschiefer-Proben mit Eisen, Eisenoxid oder Eisenchlorid. Dadurch sank der Strombedarf für die elektrische Heizung und die Abscheidung der Ölkomponenten vom Restgestein ließ sich während einer konstanten Heizdauer von 90 Tagen mehr als verdoppeln. Mit einem Computermodell bestätigten die Forscher den Effekt und konnten die Energiekosten für die Rohölgewinnung aus Ölschiefer abschätzen.

Aus ihren Simulationen folgerten die Forscher, dass allein für den Heizstrom Kosten von etwa 15 bis 30 Dollar pro Barrel anfallen. Dazu kommen die Förderkosten des Ölschiefers, bevorzugt im offenen Tagebau. Heute kann daher Ölschiefer noch nicht mit den Förderkosten von reinem Rohöl konkurrieren. Zudem werden bei der Verschwelung große Mengen an Kohlendioxid freigesetzt und das Restgestein müsste als giftiges Abfallprodukt sicher gelagert werden. Erste Pilotprojekte scheiterten daher an der mangelnden Wirtschaftlichkeit.

"Ob Ölschiefer-Öl jemals zu einem nennenswerten Prozentsatz konventionelles, billiges Erdöl wird ersetzen können, daran darf gegenwärtig erheblich gezweifelt werden", erklärt auch Wolfgang Blendinger, Deutschlands einziger Professor für Erdölgeologie an der Technischen Universität Clausthal. Doch bei weiter steigenden Ölpreisen werde sich laut Blendinger zeigen, ob wir letztendlich so verzweifelt nach Treibstoff sind, dass wir Ölschiefer-Verschwelung in großem Maßstab in Angriff nehmen werden. Zum schlichten Verbrennen könnte dieses Öl dann zu teuer sein, aber eine wichtige Ressource für Rohöl darstellen, etwa für die chemische Industrie.