Gehirn mit Nanoröhrchen verdrahten

Neues Material für Neuroprothesen - Nanoröhrchen aus Kohlenstoff können sich mit Hirnzellen verknüpfen

Lausanne (Schweiz)/Trieste (Italien) - Winzige Röhrchen aus Kohlenstoff taugen nicht nur für zukünftige Computerchips, auch zur Behandlung von Hirnschäden könnten sie eingesetzt werden. Zu diesem Ergebnis kommen Hirnforscher aus Italien, Belgien und der Schweiz. In der Fachzeitschrift "Nature Nanotechnology" präsentieren sie, wie ihnen die Übermittlung von Nervenreizen über die Nanometer kleinen Röhrchen gelungen ist.

"Dieses Ergebnis ist extrem relevant für das wachsende Feld der Neuroprosthetik", sagt Michel Giugliano von der Universität Antwerpen. Mit seinen Kollegen der Eidgenössischen Hochschule in Lausanne und von der Universität Triest schuf Giugliano mit elektrisch leitfähigen Nanoröhrchen stabile Verbindungen zwischen einzelnen Neuroren. In der Zellkultur konnten sie elektrische Signale ohne die natürlichen Synapsen-Verknüpfungen von einer Hirnzelle zur nächsten leiten. Angedockt an die äußeren Membranen der Zellen übermittelten die Röhrchen kurze Strompulse mit gut 100 Millivolt Spannung.

Diese neuen elektrischen Verdrahtungen von Hirnzellen stehen allerdings noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung. Doch könnten sie bisher verwendete Metallelektroden bei der Behandlung neuronaler Krankheiten wie Parkinson oder Epilepsie ersetzen. Für die Forscher ist es auch nicht ausgeschlossen, neue Bypässe zwischen Nervenzellen mit den Nanoröhrchen aufzubauen, um in Zukunft auch Querschnittsgelähmte behandeln zu können.