Forscher digitalisieren Keilschrift von uralten Tontafeln

Um alte Tontafeln zu digitalisieren und schneller und umfassender bearbeiten zu können, entwickelten amerikanische Forscher eine ausgeklügelte Scan-Methode für dreidimensionale Strukturen.

gescannte Tontafel
gescannte Tontafel

Baltimore (USA) - Aus dem 5. Jahrtausend vor Christus stammen einige der ältesten schriftlichen Aufzeichnungen der Menschheit. In Keilschrift bannten die Bewohner Mesopotamiens Steuerverzeichnisse und später auch Lyrik und politische Korrespondenz auf Tontafeln. Noch immer sind längst nicht alle diese Tafeln von Archäologen vollständig ausgewertet.

Im Rahmen des Digital Hammurabi-Projekts schaffen Daniel Hahn und Kollegen von der Johns Hopkins University in Baltimore eine riesige Datenbank, die den Zugriff auf den Inhalt tausender Schrifttafeln sichert. Über die Reflektion verschiedenfarbiger Lichtstrahlen konnten sie nun die teilweise schwer lesbaren Schriftzeichen mit einer Auflösung von fünf millionstel Metern analysieren. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachblatt "Applied Optics". In drei Arbeitsschritten lassen sie Licht aus verschiedenen Winkeln auf die Tontafeln fallen. Das reflektierte Licht wird mit einer CCD-Kamera aufgezeichnet. Mithilfe einer speziellen Software berechnet ein Computer selbst die feinsten Keilschrift-Strukturen. Das Ergebnis ist ein hochaufgelöstes dreidimensionales Abbild der eingeritzten Schriftzeichen.

"Diese Technik ist bisher noch nie für die Auswertung von diesen Artefakten genutzt worden", sagt Daniel Hahn. Archäologen aus der ganzen Welt sollen bald auf eine umfassende Datenbank der bisher gefundenen Keilschrift-Tafeln digital zugreifen können. Damit könnten die Texte schneller gelesen und übersetzt werden. Auch für die in Reliefs festgehaltenen Schriftzeichen anderer Kulturen könnte diese Technik angewendet werden und neue Einblicke in die Vergangenheit liefern.