Alte Meister: Rembrandt malte mit Mehl

Ionen-Analyse eines Gemäldes kann zu besseren Restaurations-Verfahren führen

Brüssel (Belgien) - Seit Jahrhunderten experimentieren Maler mit immer neuen Farbmischungen, um neue Effekte in ihren Gemälden zu erzielen. Rembrandt Harmenszoon van Rijn, der wohl bedeutendste niederländische Maler des 17. Jahrhunderts, griff sogar zu Mehl. Zu diesem Ergebnis kommen belgische und französische Wissenschaftler, die das Werk "Porträt von Nicolaes of Bambeeck" einer genauen chemischen Analyse unterzogen. Ihre Veröffentlichung im Fachblatt "Analytical Chemistry" könnte zu neuen und schonenden Verfahren für die Restauration Alter Meister führen.

"Unsere Studie belegt, dass sich in der zweiten Farbschicht Stärke-Partikel befinden", erklären Jana Sanyova vom Institut Royal du Patrimoine Artistique in Brüssel und ihre Kollegen vom Pariser Laboratoire du Centre de Recherche et de Restauration des Museés de France. Für dieses Ergebnis griffen die Forscher zu einem schonenden Analyse-Verfahren. Mit stark gebündelten Ionenstrahlen schossen sie auf die Farbschichten. Dadurch lösten sich einige Moleküle aus dem Gemälde, die in einem hoch empfindlichen Massenspektrometer genau bestimmt werden konnten. Die so entdeckten Stärkepartikel lassen eindeutig auf die Verwendung von Mehl zurückschließen. Zudem offenbarte diese so genannte TOF-SIMS-Methode neben dem damals üblichen Pigment Bleiweiß auch einzelne Proteine.

"Diese Entdeckung lässt uns die Malpraktiken von Rembrandt besser verstehen", so die Forscher. Zudem zeigt es das große Potenzial ihrer Analyse-Methode, um Farbschichten bis in eine gewisse Tiefe auf die verwendeten Materialien zu untersuchen. Ebenso wie die kürzlich entdeckte Braunverfärbung des Pigments Chromgelb in van Gogh-Gemälden kann der "Mehlfund" zu schonenden Restaurations-Verfahren führen, um berühmte Werke langfristig vor dem Zerfall zu bewahren.

Warum Rembrandt allerdings zu billigem Mehl griff, können die Analytiker nicht beantworten. Vielleicht liegt der Grund im Mangel an Geld, unter dem der Meister oft gelitten haben soll. Denn obwohl Rembrandt schon zu Lebzeiten als großer Künstler gefeiert wurde, stand es um seine Finanzen so schlecht, dass er 1669 verarmt starb.