Tequila zu Diamanten machen

Aus weißem Tequila haben mexikanische Physiker durch Verdampfung hauchdünne Diamantlagen erzeugt.

San Nicolás de los Garza (Mexiko) - Schnaps ist für tausend Sachen gut, wissen Handwerker - offenbar taugt er auch als Rohstoff für Diamantbeschichtungen. Aus handelsüblichem, 80-prozentigem weißen Tequila konnten mexikanische Physiker jetzt durch Verdampfung hauchdünne Diamantlagen auf Stahl und auf Silikon erzeugen. Offenbar besitzen handelsübliche Tequilasorten genau das richtige Verhältnis aus Kohlenstoff-, Sauerstoff- und Wasserstoff-Atomen. Andernfalls würde sich statt der Diamantschicht etwa nur eine Graphitschicht bilden. Damit eignet sich auch der Agavenschnaps als Grundstoff für die kostengünstige Herstellung von Diamantbeschichtungen, wo bisher spezielle Industriealkohole zum Einsatz kommen. Diamantbeschichtungen verleihen weicheren Materialien eine abriebfeste Schutzschicht. Obendrein halten sie auch aggressive Chemikalien ab und vertragen hohe Temperaturen. Außer Tequila dürften sich vermutlich auch andere hochprozentige Getränke als Rohstoff eignen.

Bei 280 Grad Celsius wurde der Tequila zunächst verdampft, berichten die Forscher um Javier Morales von der Universidad Autónoma de Nuevo Leon in einer Vorabveröffentlichung des Physikarchivs "ArXiv". Gemeinsam mit Kollegen der Universidad Nacional Autónoma de México nutzte er den Tequila-Dampf dann in einer Niederschlagstechnik namens "Pulsed Liquid Injection Chemical Vapor Deposition" (PLI-CVD). In einer Unterddruckkammer wurde der Alkoholdampf sowohl über Silikonplättchen als auch über Stahlplättchen geleitet, die zuvor auf 850 Grad Celsius erwärmt worden waren. Dabei lagerten sich die hauchdünnen Filme ab.

Dass es sich dabei tatsächlich um Filme aus Diamantkristallen handelte, bestätigten die Forscher per Elektronenmikroskop und Raman-Spektroskopie. Unter dem Raster-Elektronenmikroskop zeigten sich die kugelförmigen Kristalle von 0,1 bis 0,4 Mikrometern Größe. Die Raman-Spektroskopie wies nach, dass die Kristalle Licht im Raman-Band streuten, wie es für Diamanten charakteristisch ist.