Weniger Sonnenstrahlung als gedacht

Satellitenmessungen führen zu einer Korrektur der mittleren Strahlungsleistung auf der Erde - Einfluss auf Klimamodelle

Sorce-Satellit
Sorce-Satellit

Boulder (USA) - Die Sonne ist ein gigantischer Fusionsreaktor mit einer Lebensdauer von etwa zehn Milliarden Jahren und bisher ist gerade einmal die Hälfte dieser für Menschen unvorstellbaren Zeit verstrichen. Nur ein winziger Bruchteil der Strahlungsleistung gelangt bis zur Erdoberfläche. Nun haben neue Messungen mit dem Nasa-Satelliten Sorce (Solar Radiation and Climate Experiment) ergeben, dass diese Leistung sogar noch überschätzt wurde. Wie amerikanische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" berichten, müssten aktuelle Klimamodelle mit der geringeren Strahlungsleistung korrigiert werden.

Im Durchschnitt strahlt die Sonne auf jeden Quadratmeter der Erde mit knapp 1361 Watt Leistung. Bisher waren die Klimaexperten von fünf Watt mehr ausgegangen. Greg Kopp und seinen Kollegen vom Laboratory for Atmospheric and Space Physics (LASP) in Boulder gelangen diese bisher genausten Messungen der Strahlungsleistung mit dem Forschungssatelliten Sorce, der 2003 in eine Umlaufbahn um die Erde geschossen worden war. An Bord des künstlichen Erdtrabantens befindet sich das Strahlungsmessgerät TIM, das weniger anfällig für störendes Streulicht ist und so die Grundlage für die genauere Messung bildete.

Mit diesem korrigierten Wert für die mittlere Strahlungsleistung können nun langfristige Abschätzungen zur Erderwärmung in Klimamodellen verbessert werden. Für kurzfristige und regionale Klimavorhersagen spielt der neue Wert jedoch nur eine geringe Rolle. Denn die tatsächliche Strahlungsleistung variiert stark mit dem Ort. So summiert sich in Deutschland die Energiemenge pro Jahr und Quadratmeter auf 900 bis 1200 Kilowattstunden, in der meist wolkenfreien Sahara wegen der überwiegend direkten Sonnenstrahlung aber auf 2200 bis 2800.