Rotes Meer heizte sich in wenigen Jahren stark auf

Schneller Temperaturanstieg gefährdet das Ökosystem der Korallenriffe

Rotes Meer
Rotes Meer

Thuwal (Saudi Arabien) - Innerhalb eines einzigen Jahrzehnts stieg die Wassertemperatur im Roten Meer um fast ein Grad. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team internationaler Klimaforscher nach der Analyse von Satellitendaten. Demnach setzte der ungewöhnlich schnelle Temperaturanstieg Mitte der 1990er Jahre ein. Die Ursache sehen die Forscher, deren Studie in der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" erscheinen wird, in der durch den Klimawandel erhöhten Lufttemperatur. Bis 2007 stabilisierte sich die Temperatur dann auf hohem Niveau bei durchschnittlich etwa 28 Grad.

"Dieser Trend der Erwärmung ist unabhängig von den Jahreszeiten", berichten Dionysios Raitsos und seine Kollegen von der King Abdullah University for Science and Technology (KAUST) in Thuwal. Für dieses Ergebnis analysierten die Wissenschaftler Wärmeaufnahmen von der Wasseroberfläche des Roten Meeres, die mit mehreren Satelliten der US-Ozeanografie- und Wetterbehörde NOAA aufgezeichnet wurden. Der lange Beobachtungszeitraum zwischen 1985 und 2007 machte es möglich, den Temperatursprung ab 1994 zu erkennen.

Zwischen 1985 und 1993 schwankten die mittleren Wassertemperaturen nur wenig zwischen 27 und 27,5 Grad. Doch ab 1994 zeigten die Daten einen signifikanten Sprung, der bis zu einer Temperatur von 28,5 Grad im Jahr 1995 reichte. Die Ursache dafür fanden die Forscher in deutlich erhöhten Lufttemperaturen, die sich mit etwa einem Jahr Verzögerung auf die Wassertemperatur auswirkten. "Der Vergleich mit den Temperaturen in der Nördlichen Hemisphäre belegt, dass die beobachtete Erwärmung ein Teil des globalen Klimawandels ist", erläutern Raitsos und Kollegen.

Durch diesen raschen Temperaturanstieg sehen die Forscher die artenreiche Tier- und Pflanzenwelt der Korallenriffe im Roten Meer bedroht. Denn so hätten die Lebewesen nur sehr wenig Zeit, sich an die veränderten Bedingungen anzupassen. Wie bereits eine Studie von US-Forschern vor einem Jahr zeigte, starb im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts etwa ein Drittel der Korallenart Diploastrea heliopora wegen ungewöhnlich hoher Wassertemperaturen in den Sommermonaten ab. Wie gut andere Arten mit der wärmeren Umgebung zurechtkommen, ist bislang noch wenig erforscht. Doch da Korallenriffe als sehr empfindliche Ökosysteme gelten, bestehe nach Aussage der Forscher ein hohes Risiko für einen unumkehrbaren Artenschwund im Roten Meer.