Drohende Erwärmung von über 3 Grad: Kopenhagen-Kompromiss verfehlt Klimaziel

Potsdamer Klimaforscher analysieren Folgen der bisher vorgeschlagenen CO2-Reduktionsziele von 76 Staaten

Potsdam - "Die globale Erwärmung soll unter zwei Grad gehalten werden": Zumindest auf diese unverbindliche Absichtserklärung konnten sich die Teilnehmer der Klimakonferenz vergangenen Dezember in Kopenhagen einigen. Doch die bis Mitte April von 76 Staaten angekündigten Reduktionsziele für das Treibhausgas Kohlendioxid reichen dazu bei weitem nicht aus, erläutern nun Klimaforscher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in der Zeitschrift "Nature". Vielmehr sei auf der bisherigen Datenbasis des "Copenhagen Accord" mit einer Erwärmung von mehr als drei Grad bis 2100 zu rechnen.

"Die Aussichten für eine Begrenzung auf zwei Grad – oder sogar auf von über 100 Staaten geforderten 1,5 Grad – sind düster", schreiben Joeri Rogelj und seine PIK-Kollegen. Bis 2020 werden die Emissionen wahrscheinlich noch um bis zu 20 Prozent zunehmen. Mit 48 bis 53,6 Gigatonnen Kohlendioxid in der Atmosphäre ergibt sich aus den PIK-Berechnungen eine über 50-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Erwärmung um über drei Grad. "48 Gigatonnen CO2-Emissionen sind mit dem Zwei-Grad-Ziel nicht vereinbar", sagt PIK-Forscher Malte Meinshausen.

"Im schlimmsten Fall werden Zertifikate für mehr Emissionen ausgegeben, als wir bei einer Entwicklung ohne Klimaschutz zu erwarten hätten", analysiert Rogelj die Folgen der heute noch offenen Schlupflöcher in den internationalen Vereinbarungen. Mit dem Blick auf die bis zum 13. April abgekündigten Reduktionsziele seien allein Japan und Norwegen die einzigen Industriestaaten, deren Selbstverpflichtung mit dem Zwei-Grad-Limit vereinbar seien. Die USA blieben bisher bei der für 2020 angekündigten Reduktion um nur drei Prozent im Vergleich zum Referenzjahr 1990. Chinas Minimalziel entspreche einer Entwicklung ohne jede Klimaschutzmaßnahme. Und auch die 20 Prozent-Reduktion bis 2020 von der Europäischen Union würde zu jährlich geringeren Reduzierung führen als der Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre.