Bundesverdienstkreuz an Rolf Emmermann

Gründungsdirektor des Geoforschungszentrums Potsdam am 8. Januar 2007 mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Potsdam - Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Annette Schavan überreichte Rolf Emmermann die Ehrung für seine außergewöhnlichen Verdienste um den Aufbau und die Neuorganisation der Geowissenschaften in Deutschland. "Mit Professor Emmermann wird eine Persönlichkeit geehrt, die maßgeblich die Geowissenschaften in Deutschland geprägt hat", führte Frau Schavan aus. "Die hohe internationale Reputation der deutschen Geowissenschaften beruht zu einem erheblichen Teil auf Rolf Emmermanns Initiativen."

Untrennbar mit dem Namen Emmermanns verbunden ist die Gründung und der Aufbau des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ). Diese zur Helmholtz-Gemeinschaft gehörige Einrichtung hat sich unter Emmermanns Leitung seit der Gründung 1992 zum international etablierten Forschungszentrum für Geowissenschaften entwickelt. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung entwarfen Anfang der 1990er Jahre mehrere führende deutsche Geowissenschaftler unter der Federführung Rolf Emmermanns ein Konzept für eine Großforschungseinrichtung zur Erforschung des Systems Erde. Emmermann wurde zum Gründungsdirektor des GFZ auf dem traditionsreichen Potsdamer Telegrafenberg. Heute arbeiten am GFZ fast 800 Menschen, etwa die Hälfte sind Wissenschaftler.

Mit den Erfahrungen Emmermanns aus dem Kontinentalen Tiefbohrprogramm der Bundesrepublik Deutschland (KTB) war das GFZ in der Lage, ein groß angelegtes internationales wissenschaftliches Bohrprogramm mit vielfältigen geowissenschaftlichen Fragestellungen zu entwerfen. Im Februar 1996 wurde in Tokyo der Gründungsvertrag des ICDP unterzeichnet, neben Deutschland waren die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China Gründungsmitglieder. 22 Bohrprojekte, 43 große internationale Workshops, Trainingskurse und über 1000 beteiligte Wissenschaftler sind ein Beleg für die Qualität des Programms. Emmermann ist Vorsitzender des Executive Committee, das die wissenschaftliche Leitung des ICDP organisiert.

Auch die Initiierung und Leitung des Großprojekts zum Aufbau eines "Tsunami-Frühwarnsystem für den Indischen Ozean" geht auf Rolf Emmermann zurück. Die Zahl von mehr als 230.000 Opfern der Katastrophe vom 26. 12. 2004 verdeutlichte drastisch die Notwendigkeit eines solchen Frühwarnsystems für den Indischen Ozean. Unmittelbar nach der Katastrophe entwarf ein Konsortium deutscher Geo- und Meereswissenschaftler unter Leitung von Professor Emmermann das Konzept für das heute unter dem Namens GITEWS (German-Indonesian Tsunami Early Warning System) bekannte Warnsystem und konnte es bereits im Januar 2005, knapp drei Wochen nach der Katastrophe, dem damaligen Bundeskanzler vorstellen. Das GITEWS befindet sich auf gutem Weg, die Arbeiten laufen nach Plan und Ende 2008 kann der operationelle Betrieb aufgenommen werden.

Die Feierstunde war zugleich der offizielle Abschied Emmermanns vom GFZ. Bereits seit Juni 2007 liegt die Leitung des GFZ in der Hand von Professor Reinhard Hüttl, der die Arbeit seines Vorgängers wie folgt würdigt: "Selten fokussiert sich in einer Person so viel wissenschaftliche Zeitgeschichte wie bei Rolf Emmermann. Allein der Aufbau des GFZ ist schon eine enorme Leistung. Aber alle größeren Projekte in der Hand von Professor Emmermann hatten aufgrund seines strategischen Weitblickes eine nicht für möglich gehaltene Integration der Geowissenschaften Deutschlands zum Resultat. Wenn wir heute die Geowissenschaften in unserem Land nicht mehr als ein Konglomerat aus Einzeldisziplinen sehen, sondern eher unter einem themen- und problemorientierten Ansatz mit einem starken gesellschaftlichen Bezug, dann ist das zum nicht unerheblichen Teil Rolf Emmermanns Verdienst und zugleich eine Verpflichtung für die Zukunft."