Wettrennen der Kontinente: Indien ist am schnellsten

So schnell wie kein anderer Kontinent driftete Indien gegen die asiatische Platte. Bei dem Aufprall entstand das mächtigste Gebirge der Erde, der Himalaja.

Potsdam - Wie Wissenschaftler vom Geoforschungszentrum Potsdam in der Zeitschrift "Nature" berichten, erreiche der Subkontinent dabei eine Geschwindigkeit von bis zu 20 Zentimeter pro Jahr. Das ist ein Vielfaches des sonst beobachteten Tempos von nur wenigen Zentimetern jährlich.

Der Wettlauf der Kontinente begann vor rund 140 Millionen Jahren, als der Superkontinent Gondwanaland zerbrach. Es entstanden die heutigen Kontinente Afrika, Australien, die Antarktis und Südamerika. Doch keiner erreichte das Spitzentempo des indischen Subkontinents, die Antarktis verblieb sogar fast starr auf ihrer ursprünglichen Position. Erst der Aufprall Indiens auf die asiatische Landmasse bremste die Driftbewegung auf etwa fünf Zentimeter pro Jahr ab.

Rainer Kind und seine Kollegen sehen die Ursache für dieses Rekordtempo in der relativ geringen Dicke Indiens von etwa 100 Kilometern. Landmassen mit diesem geologischen Alter sind sonst eher doppelt so dick und schwer. Eine gigantische Blase heißen Gesteins aus dem Erdinnern, ein so genannter Plume, soll die unteren Gesteinsmassen Indiens weggeschmolzen haben. "Wir folgern, dass der Plume, der Gondwanaland zerteilt hat, auch die untere Hälfte der Indischen Lithosphäre weggeschmolzen hat", erklären die Forscher in ihrer Veröffentlichung. So erleichtert konnte der Indische Subkontinent schneller auf dem zähen Gesteinsmeer des Erdmantels driften als andere, dickere Kontinente. Für diese Aussage nutzten die Geophysiker sowohl seismische Daten als auch magnetische Analysen von Gesteinsproben.