Steigender Meeresspiegel gefährdet Trinkwasserversorgung

Folge des Klimawandels kann zur Versalzung des Grundwassers führen

Columbus (USA) - Nach aktuellen Schätzungen soll infolge der Erderwärmung der Meeresspiegel binnen 100 Jahre um etwa einen halben Meter ansteigen. Die Menschen an den Küsten müssen aber nicht nur zerstörerische Fluten, sondern auch einen Trinkwassermangel befürchten. Geoforscher von der Ohio State University warnen vor einer stärkeren Versalzung des Grundwassers durch das Meerwasser als bisher erwartet. Über die Ergebnisse ihrer Studie berichteten sie nun auf einer Tagung der Geological Society of America in Denver.

"Die meisten Menschen sind sich der Gefahr von Flutschäden durch steigende Meeresspiegel bewusst", sagt Motomu Ibaraki von der Ohio State University. Doch die unterirdischen Risiken für die Grundwasserreservoire hätten sie kaum im Blick. Aber durch die küstennahen Sedimente könnte laut seiner Studie deutlich mehr Salzwasser in die Erde eindringen als bisher gedacht. Durch die Mischung kann Brackwasser entstehen mit einem Salzgehalt von über 250 Milligramm pro Liter. Ab dieser Konzentration ist es für den Menschen nicht mehr genießbar und führt zur Dehydrierung.

Von dieser Versalzung des Grundwassers könnten nicht nur die US-Staaten am Golf von Mexiko betroffen sein. Ibaraki sieht auch Regionen in Südostasien, dem Mittleren Osten und Nordeuropa von dieser Gefahr bedroht. Gerade wenn die Uferregionen aus mehreren Sand- und Gesteinsschichten aufgebaut seien, könne sich mehr Salzwasser in das Grundwasser mischen, so die Forscher.

Nach diesem Szenario gefährdet der Klimawandel die weltweite Versorgung mit Trinkwasser gleich über mehrere Mechanismen. Zum einen führt das Abschmelzen von Polkappen und Gletschern zu Veränderungen der Niederschlagsmengen und in den Bergen können Quellen versiegen, die sich bisher aus Schmelzwasser der Gletscher speisen. Zum anderen sind die Grundwasserreservoire in den küstennahen Regionen von einer zunehmenden Versalzung bedroht. Ibaraki sieht daher einen wachsenden Bedarf an Entsalzungsanlagen. Doch benötigen diese viel Energie: Ein Gut, das genauso wie Trinkwasser, immer knapper und teurer wird.