Immer mehr Kohlendioxid – auch wegen des Ozeans

Der CO2-Gehalt der Luft nimmt rasch zu, weil die Emissionen immer schneller steigen. Außerdem nimmt der Ozean immer weniger von dem Treibhausgas auf. In der Kälte der Eiszeit speicherte das Wasser noch deutlich mehr Kohlendioxid.

- Der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid wächst und wächst – und die Steigerungsrate hat in jüngster Zeit sogar noch zugenommen. Drei aktuelle Studien erklären, wie es dazu gekommen ist und was für eine bedeutende Rolle der Ozean dabei spielt.

Zwischen 1990 und 1999 betrug der Zuwachs der CO2-Emissionsrate im Mittel 0,7 Prozent pro Jahr. In den Jahren 2000 bis 2006 stiegen die Emissionen dagegen jährlich um durchschnittlich 2,9 Prozent – also viermal so stark wie zuvor. Das berichtet jetzt ein internationales Team um Josep Canadell von der australischen Klimabehörde Csiro in den Proceedings of the National Academy of Sciences. Die Forscher haben für ihre Studie Messdaten und Modellrechnungen ausgewertet.

In der Luft kommen mittlerweile auf eine Million Gasmoleküle 383 Moleküle Kohlendioxid – man sagt darum, die Luft enthalte 383 ppm CO2 (ppm = parts per million). Der Wert liegt etwa ein Drittel über dem, der im 18. Jahrhundert herrschte. Dass der CO2-Gehalt der Luft ansteigt, liegt nicht nur an der Verbrennung fossiler Kraftstoffe. Ein weiterer Grund dafür ist, dass die Weltmeere etwas weniger Kohlendioxid aufnehmen als früher, berichtet das Team um Canadell.

Die Bedeutung des Ozeans wird von einer anderen Studie im Journal of Geophysical Research bestätigt: Ute Schuster und Andrew Watson von der University of East Anglia in Norwich haben Messdaten analysiert, die im Nordatlantik zwischen 1994 und 2005 mit Frachtschiffen gewonnen worden waren. Sie fanden heraus, dass sich die Fähigkeit des Nordatlantiks, CO2 zu speichern, im Beobachtungszeitraum um mehr als die Hälfte reduziert hat. Die verringerte CO2-Aufnahme sei vor allem darauf zurückzuführen, dass sich das Meer erwärmt habe, schreibt das Forscherduo. Denn bei einer höheren Wassertemperatur gibt das Wasser Kohlendioxid an die Luft ab – das ist genauso wie bei einem Glas Sprudel, das man aufheizt.

Wie eng die Meerestemperatur und die Fähigkeit des Wassers, CO2 zu speichern, zusammenhängen, zeigt sich auch immer klarer für die letzte Eiszeit. Während ihres Höhepunkts vor 15000 bis 18000 Jahren waren im Ozeanwasser im tiefen Nordpazifik riesige Mengen Kohlendioxid gelöst. Die CO2-reichen Wassermassen gelangten erst am Ende der Eiszeit vor 14000 Jahren wieder mit der Atmosphäre in Kontakt und gaben einen Teil des Gases wieder ab, berichtet ein amerikanisch-schweizerisches Team im Wissenschaftsjournal Nature.

Die Entdeckung der Forscher beruht auf einer geochemischen Analyse winziger Meeresorganismen. Das Team untersuchte Sedimente, die an zwei Stellen vom Meeresboden des Pazifks geholt worden waren – in der Nähe von Kamtschatka und Alaska.

Alle drei erwähnten Studien weisen auf die bedeutende Rolle hin, die der Ozean für den CO2-Gehalt der Luft spielt. Falls sich das Meer weiter erwärmen sollte, würde die Speicherfähigkeit aller Voraussicht nach noch stärker abnehmen und das Kohlendioxid-Problem dadurch verschärfen.