Grönlandeis schmilzt immer schneller

Beschleunigte Eisschmelze führt zu einer größeren Eisbergproduktion im Nordatlantik. In diesem Jahr sei soviel Eis geschmolzen wie noch nie seit Beginn von Satellitenaufzeichnungen 1979.

Eisberg im Jakobshavn-Fjord auf Grönland
Eisberg im Jakobshavn-Fjord auf Grönland

Boulder (USA) - Zu diesem Ergebnis kommt der Klimaexperte Konrad Steffen von der Universität von Colorado in Boulder. Er berichtet über den Rekordwert auf einer Tagung der American Geophysical Society.

"Der Eisverlust auf Grönland im letzten Jahr entspricht der doppelten Eismenge in den gesamten Alpen", sagt Steffen. Das Schmelzwasser könnte einen 150 Meter tiefen See von der Größe Berlins füllen. Im Vergleich zum bisherigen Rekordjahr 2005 sind 2007 noch einmal zehn Prozent mehr von den Grönlandgletschern aufgetaut.

Auch die Fließgeschwindigkeiten der Gletscher auf Grönland nehmen zu. Der Grund dafür liegt in der dünnen Schmelzwasserschicht, auf denen die Eismassen schneller zur Küste gelangen können. "Solche Gletscher mit fließenden Eiszungen werden auch die Eisbergproduktion erhöhen", sagt Steffen.

Schon letztes Jahr warnten amerikanische Klimatologen, dass das Festlandeis auf Grönland zwischen 2002 und 2006 mit einer alarmierenden Geschwindigkeit zurückgegangen ist. "Die Rate des Eisverlustes nahm zwischen Mai 2004 und April 2006 im Vergleich zu den Jahren 2002 bis 2004 um 250 Prozent zu", berichteten Isabella Velicogna und John Wahr von der University of Colorado in Boulder. Pro Jahr entspricht das einem Abschmelzen von etwa 250 Kubikkilometern. Das dabei freigesetzte Wasser führt zu einem globalen Anstieg der Meeresspiegel um einem halben Millimeter pro Jahr.

Möglich sind diese vergleichenden Messungen über Aufnahmen des im März 2002 gestarteten Satelliten-Experiments Grace (Gravity Recovery and Climate Experiment). Dieses Instrument, das zusammen von der US-Raumfahrtbehörde NASA und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) kontrolliert wird, bestimmt das Schwerefeld der Erde mit hoher Genauigkeit. Über diese Messungen lässt sich zuverlässig der Rückgang von Eisflächen bestimmen.

Grönland ist die größte Insel der Welt und wird zu 80 Prozent von Eis bedeckt. Mit einem Gesamtvolumen von etwa 2,5 Millionen Kubikkilometern befinden sich hier etwa zehn Prozent allen Eises auf der Erde. Aktuelle Studien zeigen, dass das gesamte Grönlandeis – einmal abgeschmolzen – den Meeresspiegel global um bis zu sieben Metern steigen lassen könnte. Zudem könnte der ungewöhnliche Zufluss an Süßwasser aus den schmelzenden Grönlandgletschern die Zirkulation der salzigen Ozeangewässer beeinflussen. "Die Zunahme der Süßwasserzufuhr könnte so zu einer grundlegenden Änderung des Klimas in der nördlichen Hemisphäre führen", warnt Klimatologe Tavi Murray von der britischen Swansea University.