Vulkane: Sprießende Pflanzen weisen auf wahrscheinliche Eruptionszonen hin

Mit Spannung und Furcht erwarten Vulkanologen und die Menschen in Indonesien den Ausbruch des Merapi auf Java. Akut sind die West- und Südwesthänge von Lava und heißen Gaswolken bedroht. Laufen auf der indonesischen Insel die Vorbereitungen für eine Massenevakuierung auf Hochtouren, berichten amerikanische Geophysiker von einer überraschend neuen Methode, um die Eruptionsbereiche eines Vullans frühzeitig ausmachen zu können.

Berkeley (USA) - Im Fachblatt "Earth and Planetary Science Letters" schreiben sie, dass auffallend grüne und hochwachsende Bäume und Sträucher an Vulkanhängen Hinweise auf die zu erwartenden Bruchzonen bei einem Ausbruch liefern.

"Aktive und potenzielle Eruptionszonen können bis zu zwei Jahre vor einem Ausbruch ausgemacht werden", berichten Nicolas Houlié von der University of California in Berkeley und seine Kollegen vom Institut de Physique du Globe in Paris und vom Vulkanobservatorium im kongolesischen Goma. Für ihre Ortsvorhersage nutzten sie Satellitenaufnahmen vom Ätna auf Sizilien und vom Nyiragongo in der Demokratischen Republik Kongo. Bei beiden Vulkanen erkannten sie eine auffallend hoch wachsende und grünere Vegetation entlang der Bereiche, aus denen bei einem späteren Ausbruch Lavaströme hervorquollen. Diese Unterschiede zu benachbarten Sträuchern und Bäumen zeigten sich bereits zwei Jahre vor einer Eruption.

Die Gründe für das verstärkte Pflanzenwachstum sehen die Vulkanologen in einer besseren Wasserversorgung. Denn durch das brüchige Gestein könne mehr Wasser zum Wurzelwerk gelangen. Zudem dringe hier Kohlendioxid verstärkt zur Oberfläche, das dort quasi als Dünger für die Pflanzen diene. Über die Beobachtung der Vegetation über Satellit könne zwar nicht eine zeitliche Vorhersage eines Vulkanausbruches gewonnen werden, doch besonders gefährdete Regionen sollen so besser geschützt werden können. Weiß man, an welchen Stellen ein Vulkan auseinanderbrechen wird, könnten in Zukunft Evakuierungsmaßnahmen gezielter und damit effektiver geplant werden. Die Menschen rund um den Merapi werden hiervon jedoch nicht mehr profitieren. Aber durch die erwartete Gewalt des Ausbruches sind ohnehin nicht nur Teilbereiche, sondern die gesamte benachbarte Region um den Vulkan hoch gefährdet.