Künstlerische Darstellung des KELT-9-Systems.

Planet so heiß wie ein Stern

Auf der Oberfläche eines neu entdeckten Exoplaneten herrschen über 4300 Grad Celsius. KELT-9b, so der Name, ist damit der bislang heißeste bekannte Planet. Der bisherige Rekordhalter WASP-33b brachte es „nur“ auf eine Oberflächentemperatur von rund 3000 Grad Celsius. Ein internationales Forscherteam spürte den ungewöhnlichen Gasriesen mit dem Kilodegree Extremely Little Telescope oder kurz KELT auf. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun in der Fachzeitschrift „Nature“.

Der 650 Lichtjahre von uns entfernte Gasriese ist ungefähr so groß wie Jupiter und benötigt nur 36 Stunden für einen kompletten Umlauf um seinen Stern, berichten Scott Gaudi von der Ohio State University in den USA und seine Kollegen. Dabei zeigt KELT-9b seinem Stern immer dieselbe Seite – so wie der Mond der Erde. Sein Zentralgestirn ist rund 2,5-mal schwerer als unsere Sonne und auch seine Oberflächentemperatur fällt mit rund 10 000 Grad Celsius fast doppelt so heiß aus wie die der Sonne. Um derart heiße Sterne kennen Astronomen bisher erst wenige Planeten.

Durch die enorm intensive ultraviolette und optische Strahlung, die KELT-9b auf seiner engen Bahn empfängt, heizt sich seine Tagseite auf über 4000 Grad Celsius auf. Damit übertrifft er – zumindest was die Oberflächentemperatur angeht – sogar etliche Zwergsterne. Bei solchen hohen Temperaturen sind praktisch alle Moleküle in der Atmosphäre des Gasriesen aufgebrochen. Und durch den starken Strahlungsdruck seines Sterns wird Materie aus dieser Gashülle ins All hinausgeblasen.

Das Schicksal des Planeten ist noch ungewiss: Durch den kontinuierlichen Masseverlust dürfte KELT-9b seine Hülle frühestens in rund einer halben Milliarde Jahren komplett verloren haben, schätzen die Wissenschaftler. Doch schon in rund 200 Millionen Jahren könnte der Zentralstern seinen Brennstoffvorrat verbraucht haben und sich dann über mehrere Entwicklungsstufen zu einem Roten Riesen aufblähen, der den Planeten schließlich umschlingen wird. Die Astronomen um Gaudi wollen KELT-9b künftig auch mit anderen Teleskopen unter die Lupe nehmen.