Exoplanet in unmittelbarer Nachbarschaft entdeckt
Garching – Ein Exoplanet mit Erdmasse in nur etwas mehr als vier Lichtjahren Entfernung: Diesen beachtlichen Fund verkünden Forscher der europäischen Südsternwarte auf einer Pressekonferenz am vergangenen Dienstag und im Fachblatt „Nature“. Alpha Centauri ist das nächstgelegene Sternensystem und liegt nur 4,3 Lichtjahre entfernt. Es besteht aus drei Sternen: den beiden sonnenähnlichen Sternen Alpha Centauri A und B sowie dem Roten Zwerg Proxima Centauri, der weit außerhalb seine Bahn zieht – er ist zurzeit mit nur 4,2 Lichtjahren Entfernung der am nächsten gelegene Nachbar des Sonnensystems. Die Forscher konnten aus genauen Datenanalysen der Bewegung von Alpha Centauri B ermitteln, dass in der Nähe dieses Sterns ein Planet mit ungefähr der Erdmasse kreist.
„Unsere Beobachtungen mit dem HARPS-Instrument erstreckten sich über vier Jahre und haben ein kleines, aber erkennbares Signal von einem Planeten gezeigt, der Alpha Centauri B alle 3,2 Tage umkreist“, erzählt Xavier Dumusque vom Genfer Observatorium. Diese schnelle Umlaufzeit bedeutet, dass der Planet sich mehr als 20fach näher an seinem Stern befindet als die Erde an unserer Sonne. Damit ist er so nahe an seinem Stern, dass er zu heiß für die Existenz von flüssigem Wasser und somit auch von Leben ist.
Die Bedeutung dieser Entdeckung liegt aber nicht nur darin, dass der Planet sich in unserer unmittelbaren galaktischen Nachbarschaft befindet. „Dies ist der erste Planet mit einer Masse ähnlich der Erde, der je um einen Stern wie unsere Sonne gefunden wurde“, berichtet Mitautorin Stéphane Udry, ebenfalls vom Genfer Observatorium. Dies steigert die Hoffnung, einen erdähnlichen Planeten in der sogenannten bewohnbaren Zone um einen lebensfreundlichen Stern wie unserer Sonne zu finden. Die bewohnbare Zone ist durch einen Abstand definiert, der nicht zu nah an und nicht zu weit von einem Stern liegt, so dass auf einem Planeten dort flüssiges Wasser existieren kann. Damit rückt eines der Hauptziele der Exoplanetenforschung immer näher, einen lebensfreundlichen Planeten zu finden.
Die Forscher konnten den Planeten nachweisen, indem sie winzige Schwankungen in der Bewegung von Alpha Centauri B vermaßen, die durch die Schwerkraft des ihn umlaufenden Planeten verursacht werden. Der Effekt ist extrem klein – er sorgt dafür, dass der Stern sich mit nicht mehr als 51 Zentimetern pro Sekunde hin und her bewegt, also in etwa mit der halben Geschwindigkeit eines Fußgängers. Dieser Nachweis stellt die höchste jemals mit dieser Methode erreichte Genauigkeit dar. Wie der Astronom Artie Hatzes von der Universität Jena in einem Begleitartikel zu der Forschungsarbeit erwähnt, wird ein solch spektakulärer Fund deshalb von anderen Forschergruppen genauestens untersucht werden. Sollte es sich bestätigen, dass die minimalen periodischen Schwankungen von Alpha Centauri B wirklich von einem Planeten herrühren, wäre dieser auch der leichteste Planet, der je mit der Radialgeschwindigkeitsmethode gefunden wurde.
