Neues Radioteleskop kreist in Rekordentfernung um die Erde

Russischer Satellit verbessert Radioastronomie um mehr als das Zwanzigfache

RadioAstron
RadioAstron

Moskau (Russland) - Russland hat am Montag in den frühen Morgenstunden einen Forschungssatelliten gestartet, der im All eine zehn Meter große Radio-Antenne entfalten soll. Im Verbund mit Radioteleskopen auf der Erde kann "RadioAstron" hochaufgelöste Bilder weit entfernter Schwarzer Löcher und explodierender Sterne liefern. Der Satellit entfernt sich auf seiner langestreckten Ellipsenbahn bis zu 350.000 Kilometer weit von der Erde.

"Niemals zuvor ist ein Radioteleskop so weit von der Erde entfernt gewesen", erklärt der wissenschaftliche Leiter der RadioAstron-Mission, Yuri Kovalev vom Lebedev Physical Institute in Moskau. Als Einzelantenne ist RadioAstron klein im Vergleich zu den größten Radioteleskopen auf der Erde. Doch die große Entfernung macht die kleine Antenne zu einem mächtigen Instrument für die Forscher. Ihre Wirkung entfaltet sie durch ein Interferometrie genanntes Verfahren, die Überlagerung der Messdaten mehrerer Teleskope.

Die Astronomen nutzen diese Technik bereits seit Jahrzehnten mit großem Erfolg. Durch die Zusammenschaltung weltweit verteilter Radioteleskope lässt sich so eine Auflösung wie bei einer Antenne erzielen, die so groß wie die ganze Erde ist. Von 1997 bis 2005 stand mit dem japanischen Satelliten Halca dann erstmals eine Antenne in der Erdumlaufbahn zur Verfügung. Die dabei gewonnenen Erfahrungen konnten nun auch in die RadioAstron-Mission einfließen.

Die Umlaufbahn von RadioAstron führt den Satelliten mehr als zehnmal weiter von der Erde weg als Halca - entsprechend steigert sich das Auflösungsvermögen bei interferometrischen Beobachtungen noch einmal um mehr als das Zehnfache. Im Verbund mit Radioteleskopen auf der Erde kann RadioAstron noch Einzelheiten auflösen, die nur sieben Mikro-Bogensekunden groß sind - das ist 10.000-mal besser als das Auflösungsvermögen des Weltraumteleskops Hubble.