Auch die Venus besitzt eine Ozonschicht

Als Lebens-Indikator ist das Sauerstoff-Molekül deshalb mit Vorsicht zu genießen.

Venus Express
Venus Express

Guyancourt (Frankreich) - Messungen der europäischen Raumsonde Venus Express zeigen: Auch der innere Nachbarplanet der Erde ist von einer Ozonschicht umgeben. Sie befindet sich in einer Höhe von 100 Kilometern über der Planetenoberfläche. Die Konzentration der aus drei Sauerstoff-Atomen bestehenden Moleküle beträgt allerdings nur ein Prozent des irdischen Wertes, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Icarus". Die Entdeckung habe Konsequenzen für die Astrobiologie, so die Wissenschaftler: Allein die simultane Anwesenheit von Ozon, atomarem Sauerstoff und Kohlendioxid reiche nicht aus, um auf die Existenz von Leben auf einem Planeten zu schließen.

"Wir können die neuen Messungen aber nutzen, um die Szenarios für die Entdeckung von Leben auf anderen Welten zu testen und zu verbessern", erklärt Franck Montmessin vom Laboratoire Atmosphères, Milieux, Observations Spatiales im französischen Guyancourt, der Leiter des Forscherteams. Auf der Erde entsteht ein Teil des Ozons dadurch, dass die Sonnenstrahlung Kohlendioxid-Moleküle aufbricht und dabei Sauerstoff-Atome freisetzt. Diese Sauerstoff-Atome verbinden sich dann mit zweiatomigen Sauerstoff-Molekülen zu Ozonmolekülen.

Der hohe Ozonanteil in der irdischen Atmosphäre lässt sich aber nur durch biologische Aktivität erklären: Mikroben und Pflanzen, die Kohlendioxid aufnehmen und Sauerstoff ausscheiden, tragen einen erhebliche Teil zur Ozonproduktion bei. Deshalb gingen Astrobiologen lange Zeit davon aus, dass die gleichzeitige Anwesenheit von atomarem Sauerstoff, Kohlendioxid und Ozon in einer Atmosphäre ein sicheres Indiz für biologische Aktivität ist.

Die neuen Ergebnisse zeigen - ebenso wie die frühere Entdeckung einer mit 0,1 Prozent des irdischen Werts noch geringeren Ozonanteils auf dem Mars -, dass diese Sichtweise wohl zu einfach ist. "Die entscheidenden chemischen Reaktionen, die einen Teil des Ozons in der irdischen Hochatmosphäre erzeugen, sind auch auf der Venus am Werk", so Montmessin. Entscheidend für die Suche nach Leben sei also nicht, ob Ozon zusammen mit Sauerstoff und Kohlendioxid vorkomme, sondern in welcher Konzentration. Die Forscher setzen das Limit nun bei 20 Prozent des irdischen Wertes - alles, was darüber liegt, sei allein durch nicht-biologische chemische Reaktionen nicht mehr zu erklären.