Helium-Ballons gegen Weltraumschrott

Satelliten auf niedrigen Umlaufbahnen könnten effizient gebremst in die Erdatmosphäre eintauchen und dort verglühen

Helium-Ballon bremst Satellit
Helium-Ballon bremst Satellit

Toronto (Kanada) - Über 600.000 Schrottteile mit Durchmessern von mehr als einem Zentimeter fliegen unkontrolliert auf Umlaufbahnen um die Erde. Diese Objekte sind eine große Gefahr für Satelliten, die bei einer Kollision mit dem Weltraumschrott zerstört werden können. Bisher fehlt es an einer effizienten Methode, dieses wachsende Problem in den Griff zu bekommen. Amerikanische Entwickler schlagen nun auf der Tagung "Astrodynamics Specialist Conference" in Toronto vor, dass Satelliten am Ende ihrer Nutzungszeit mit riesigen Ballons ihre Umlaufbahn kontrolliert verlassen und in der Erdatmosphäre verglühen könnten.

"Ballons könnten einen günstigen Weg aufzeigen, um dieses Problem zu lösen", sagt Kristin Gates von der Global Aerospace Corporation in Kalifornien gegenüber dem Magazin "New Scientist". Bisher wird diskutiert, ob Satelliten über ein zusätzliches Triebwerk inklusive Treibstoff verfügen sollten, um es zum Abschluss ihrer Mission zu zünden und so die Umlaufbahn wieder zu verlassen. Sehr viel leichter und damit günstiger könnte ein Ballon diese Aufgabe übernehmen.

So könnte ein Satellit die zusammen gefaltete Ballonhülle mit sich führen und bei Bedarf mit Helium aufpumpen. Aufgebläht auf einen Durchmesser von 37 Metern, könnte dieser Ballon einen 1200-Kilogramm-Satellit so gut abbremsen, dass er binnen eines Jahres aus einer 830 Kilometer hohen Umlaufbahn in die Erdatmosphäre abtaucht und dort verglüht.

Obwohl dieser Ballon ein größeres Ziel für andere Satelliten darstellt, schätzen Experten das erhöhte Risiko einer Kollision innerhalb des einjährigen Sinkflugs als minimal ein. Ohne einen solchen Ballon würde der Satellit noch über Jahrzehnte in seiner Umlaufbahn verharren und könnte nach einem Zusammenstoß in viele kleinere, aber immer noch gefährliche Teile zerbrechen.