Bausteine des Lebens im All?

Astronomen finden neue organische Moleküle in einer Sternentstehungsregion - Computermodelle deuten auf die Existenz auch von Aminosäuren

Das IRAM-30m-Radioteleskop auf dem Pico Veleta in Südspanien
Das IRAM-30m-Radioteleskop auf dem Pico Veleta in Südspanien

Bonn/Köln - Sie zählen zu den kompliziertesten Molekülen, die bislang im Weltall aufgespürt wurden: Äthylformiat und n-Propylzyanid. Anlässlich der "Europäischen Woche der Astronomie und Raumfahrt" an der Universität von Hertfordshire in Großbritannien präsentiert ein internationales Forscherteam die Entdeckung dieser beiden Substanzen in der Sternentstehungsregion Sagittarius B2, einer riesigen Gaswolke in der Nähe des Milchstraßenzentrums. Computermodelle lassen vermuten, dass dort auch noch komplexere Moleküle vorhanden sein müssen - darunter auch Aminosäuren, Grundbausteine des Lebens.

Atome und Moleküle senden Strahlung bei charakteristischen Wellenlängen aus, die dann als Linien im Spektrum einer Strahlungsquelle erscheinen. "Das Problem bei der Suche nach komplexen Molekülen ist, dass die am besten geeigneten astronomischen Quellen so viele unterschiedliche Moleküle enthalten, dass ihre Linien sich überlappen und nur sehr schwer zu entwirren sind", sagt Arnaud Belloche vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Und sein Kollege Holger Müller von der Universität zu Köln ergänzt: "Die größeren und komplexeren Moleküle sind sogar noch schwieriger zu identifizieren, da sich ihre Strahlung über eine viel größere Anzahl von Linien verteilt, die dadurch viel schwächer sind." Belloche, Müller und ihre Kollegen konnten von insgesamt 3700 Spektrallinien, die sie mit einem Radioteleskop in Sagittarius B2 fanden, schließlich 36 mit den beiden neuen Molekülen identifizieren.

Mithilfe von Computermodellen haben die Forscher anschließend versucht, die chemischen Prozesse zu verstehen, die zur Bildung solcher Moleküle im Weltraum führen. Die Simulationen zeigen, dass komplexe Moleküle sich am effektivsten abschnittweise aus bereits vorhandenen Bausteinen bilden. Dabei gibt es anscheinend keine Begrenzung für die Größe der Moleküle, die durch diesen Prozess entstehen können - die Forscher erwarten daher, künftig auch noch komplexere Moleküle wie Aminosäuren in solchen Regionen zu finden.